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Mobbing, Musikunterricht wird zur Hölle

21. Juni 2011

Einer fehlt!

Dennis hat seine Mobbing-Erlebnisse in der Schule aufgeschrieben, die wir gerne veröffentlichen.

„Meine Geschichte

(Ich schreibe unter dem Pseudonym „Dennis“, um meine Identität zuschützen, obwohl meine Geschichte genügend Details enthält, dass ein Beteiligter mich erkennen würde. Dennoch sind diese Details unverzichtbar, will man den logischen Verlauf meiner Geschichte wiedergeben.)

Wie alles anfing

Bis zur achten Klasse war ich ein normaler Junge. Ich hatte Freunde, war integriert und glücklich. In der 2ten Klasse beschloss ich, mich von nun an vegetarisch zu ernähren (wg. den Tieren).

Nun, eben nur bis zur 8ten Klasse. Mein bester Freund war gerade durchgefallen und die Dinge begannen sich zu ändern. Meinen Klassenkameraden (ich war in einer reinen Jungs-Klasse) begannen anscheinend erst jetzt zu realisieren, dass ich Vegetarier war, jedenfalls kamen erst jetzt ihre Vorurteile zum Vorschein. (Dass ich Vegetarier bin, war von Anfang an klar)

Sie begannen mehr und mehr mich auszugrenzen. Dass begann damit, dass sie einfach keine Gespräche mit mir anfingen, Witze über mich machten und mich nicht mehr einluden. Ich war immer weiter isoliert, mir wurde das aber erst bewusst, als einer der wenigen verbliebenen Freunde während eines Schüleraustausches zu mir meinte: „Guck, diese Leute, dass sind die Gangsters (Anmerk.: gemeint waren die beliebten Schüler) und wir sind die Opfer.“

Damals begriff ich nicht, was er meinte. Ich fühlte mich (noch) nicht als „Opfer“. Obwohl er etwas anderes meinte, nämlich „Opfer“ als Synonym für Aussenseiter, hatte er auch im Sinne meiner (herkömmlichen) Interpretation dieses Wortes Recht. Ich war tatsächlich ein „Opfer“ – ein „Opfer“ der Ausgrenzung meiner Mitschüler.

Zum Glück spielte ich in meiner Freizeit Tischtennis, wodurch ich wenigstens ein paar Freunde behielt, denn in der Schule verschlechterte sich meine Situation zunehmend. Während ich bislang meinen Mitschülern körperlich stets ebenbürtig war, änderte sich das nun schlagartig. Dies lag zum Einem daran, dass ich anscheinend mit meiner Pubertät spät dran war und dass meine Mitschüler bereits im Alter von 15 Jahren das Fitnessstudio und „Selbstverteidigungskurse“ besuchten. Das mit der Selbstverteidigung war natürlich nur Fassade, in Wahrheit ging es darum zu lernen, anderen Menschen effektiv körperlich zu schaden.

Die Wende

Wirklich körperlich attackiert wurde ich ironischerweise erst nach den sog. „Besinnungstagen“, eine Art Schullandheim für die 8ten Klassen zur Gruppenbildung und Mobbingprävention. Hier wurde, so scheint es mir, zum ersten Mal in der Klassengemeinschaft verkündet, wer die Opfer sind, die (Zitat:) „geopfert“ werden müssen. Die Beschäftigung mit dem Thema Mobbing (eig. völlig sinnlos, weil in unserer Klasse bislang kein körperliches Mobbing praktiziert wurde) regte wohl die niederen Instinkte meiner Mitschüler an oder sie fühlten sich angegriffen, weil die Betreuer mich zu integrieren versuchten, ich weiss es nicht, wie ich bis heute auch nur über den Grund des Mobbings spekulieren kann. Fest steht allerdings, dass es ab da an erst richtig losging.

Mobbing: Musikunterricht wird zur Hölle

Im Fach Musik hatten wir einen Lehrer, der selbst gemobbt wurde, auch ein Vegetarier. Er konnte sich nicht durchsetzen, weil er nie Strafen verhängte. Sein Unterricht bestand aus Herunterrattern des Stoffes und Hoffen, nicht Zielscheibe der Angriffe der Klasse zu werden. Ihm war egal, was wir machten. Manche tranken vor seinen Augen im Unterricht Vodka, viele redeten und einige schlugen sich. Ich saß in der ersten Reihe direkt vor meinem Peiniger. Der Musiksaal hatte keine Tische, sodass mein Hintermann (Mitglied eines Fitnessstudios), nennen wir in Michel, mir ständig (!!!) (ein Jahr lang) den Stuhl wegziehen konnte auf dem ich saß, sodass ich mich nicht hinsetzen konnte. Dann beschwerte sich Michel beim Lehrer dass ich stand, was dem Lehrer aber fairer Weise ebenfalls egal war. Des weiteren schlug mich Michel in den Pausen (nicht regelmäßig, ich kann mich nur an drei Male erinnern). Einmal stieß er mich eine Stufe herab, als ich mir gerade die Schuhe band, ein andermal schubste er mich von hinten so stark zu Boden, dass ich Schürfwunden davon trug.

Zwei weitere Mobber waren Pascal und Darius (Namen geändert). Pascal war ein DJ (mit 15 und hatte bei Parties ab 16 aufgelegt). Pascal hatte mich einmal in der Toilette eingesperrt und Darius gab mir in Chemie und in den Pausen sog. „Nackenklatscher“, wobei er immer betonte er wolle mir helfen und mir zeigen, dass ich mich wehren soll. Warum er mir dafür Nackenklatscher geben musste ist mir schleierhaft. Doch in der Tat fing ich an mich zu wehren. Ich war nun auch in der Lage dazu. Ich besuchte ein Fitnessstudio und mein Körper entwickelte sich zu einem erwachsenen Körper. Das körperliche Mobbing hörte mit dem Ende der 10ten auf, die Beleidigung (direkt) erstaunlicherweise auch. Doch was blieb war ein tief verwurzelter Hass mir gegenüber und die subtile Ausgrenzung.

Das ist schwer für mich zu begreifen, denn ich hatte ihnen nie etwas getan, dennoch hassen sie mich – bis heute. Vielleicht liegt es daran das ich ein Symbol bin für ihre Unmenschlichkeit oder vielleicht glauben sie tatsächlich die ganzen Geschichten, die einige über mich erzählt haben. Wer weiß – für mich endet meine Mobbingkarriere jedenfalls mit vielen Fragezeichen. Ich beendete das Gymnasium nach der 12ten mit Abitur (erster G8 Jahrgang) und bin zuversichtlich, dass ich an der Uni wesentlich herzlicher aufgenommen werde. An meiner Arbeitsstelle und beim Fitnessstudio hat es ja schon geklappt“. (Dennis)

Sam Leeson, 13 Jahre, Mobbing-Opfer erhängte sich.

3. Juni 2010

Mobbing-Opfer Sam Leeson (13)

Sam war ein Junge wie Carl-Josef in den USA oder Millionen in seinem Alter in unserem globalen Dorf. Er hatte eine Leidenschaft für sich entdeckt, die ihm etwas neben der Schule und dem Alltag gab, „EMO“ Musik.

EMO Musik (1) bestimmt sich dadurch, dass „sich durch das stärkere Betonen von Gefühlen wie Verzweiflung und Trauer sowie durch die Beschäftigung mit gesellschaftlichen, politischen und zwischenmenschlichen Themen auszeichnet“. (1) Von daher gilt EMO als nicht Mainstream-Musik, was eben nicht jeder hört. Sam mochte sie, sie gab ihm etwas, was man als Identität bezeichnen kann.

Sam hatte vier Schwestern und zwei Brüder die ihn heute vermissen. „Gemeinsam mit vielen emos trug Sam alternative schwarze oder dunkle Kleidung und hatte lange Haare. ..“ 2)

Boy in dark

Irgendwie geriet Sam auf die Internetseite Social-Networking-Site Bebo und wurde dort dann fertig gemacht. Ein Fall von Cybermobbing der typisch ist für unsere Zeit. Wahrscheinlich hat in sein Interesse für „gesellschaftliche, politische und zwischenmenschlichen Themen“ der EMO-Musik auf Bebo gebracht. (3)

Seine Mutter oder sein Vater wussten wohl genauso wenig davon wie seine Geschwister. „Sam’s mother said the family discovered the extent of the bullying only when they checked his Web page after his death. ‚I’m not sure what influence these sites have  –  but if they are a method of expressing things, maybe they should be checked more,‘ said 45-year-old Sally Cope”. (2)

Klar ist heute, dass viele der Täter sich nun für ihr asoziales Verhalten entschuldigen, was der Nachweis dafür ist, sie haben Sam fertig gemacht, einen 13 Jährigen, der die ersten Schritte in ein eigenes Leben gehen wollte und auch musste, so was nennt man auch Pubertät. (4)

Carl-Josef, Mobbing-Opfer (11)

Und Sam hatte eine weitere Leidenschaft für sich entdeckt, das Schreiben. „Peter Rowland, headmaster at Severn Vale School, paid tribute to Sam as a ‚wonderfully creative‘ writer who would be a ‚great loss‘ to the school”. (2)

Seine 22 jährige Schwester  Emma sagt, dass Sam auch wegen seiner Liebe zur Emo-Musik in der Schule gemobbt wurde. „Sam’s sister, Emma, 22, said he had also been bullied at school over his interest in the music”. (2)

Auf eine für ihn zur Erinnerung an sein kurzes Leben gemachte Internetseite äußern sich viele zu Sam und dem Verlust für uns alle, denn was hätte er uns alles über das Schreiben und die Musik noch mitteilen könne, doch der Mob hat hier gesiegt. Wie so oft, ob bei Sam oder Carl-Josef, Megan oder Phoebe, der Hass des Mobs hat so viele in den Tod getrieben, dass man bis heute nicht verstehen kann, warum Cybermobing nicht strafrechtlich verfolgt wird, gerade den Betreibern dieser Internetseiten muss doch mal ihre Fürsorgepflicht klar werden.

Auf der „Sam Lesson Online Memorial Site“  http://missedsam.gonetoosoon.org/

hat Kristie K, folgenden Text verfasst:

Kerzenlichter für Phoebe

“They say heaven is a holy place, where tears shant fall and happiness will surround everybody, no pain and no suffering; you deserve to be in that beautiful place and one day all your family and friends shall join you too. Your story has saved many peoples lives but you didnt deserve to die. Those people who taunted and harrased you should be ashamed”. (4)

“Sam, of Tredworth, Gloucestershire, was found on Thursday by his mother, Sally Cope, and another sister, Katie, 12, when they returned from a short shopping trip”. (3) Sam hatte sich wie Carl-Josef in den USA erhängt, beide Opfer von extremen Mobbing-Attacken.

1) http://de.answers.yahoo.com/question/index?qid=20070313085731AA3JB2T

http://de.wikipedia.org/wiki/Emo

http://www.emostar.de/content/category/43-emo-musik/

http://www.youtube.com/watch?v=buISbwlrJY0

http://www.youtube.com/watch?v=WSYOWYqSQLI

http://www.youtube.com/watch?v=fCCDdnUwB3g&feature=related

2) http://www.telegraph.co.uk/news/uknews/2176009/Teenager-Sam-Leeson-hanged-himself-over-Emo-taunts.html

3) http://www.dailymail.co.uk/news/article-1025654/Boy-13-hanged-bullied-Bebo-fan-Emo-music.html

4) http://missedsam.gonetoosoon.org/

Holly Grogan, 15 Jahre alt, Mobbingopfer, beging Selbstmord

23. September 2009

Schon längst ist Cybermobbing bei uns zum Schlachtfeld geworden. Das jüngste Opfer dieses schmutzigen und perversen Krieges ist die gerade erst einmal 15 jahre alte Holly Grogan aus England geworden. 15 Jahre, man mag es kaum glauben.

Holly war wohl sehr aktiv im Intenet unter Facebook, Bebo und MySpace. „Die Eltern beklagten, ihre Tochter sei nicht mit dem Druck und dem Mobbing auf Netzwerken und in Freundschafts-Gruppen im Internet zurecht gekommen“.* Freunde von Holly bestätigen die Aussage der Eltern, „mehrere Mädchen hätten Holly auf ihrer Facebook-Seite reihenweise beschimpft. Sie sei auch in der Schule gemobbt worden und habe kein Selbstvertrauen gehabt“.*

Holly Grogan

Holly Grogan

Ein absoluter Wahnsinn was dort abgeht und warum Cybermobbing immer noch nicht ernst genommen wird versteht man noch weniger. Gerade Jugendliche in um die Pubertät scheinen besonders als Opfer im Internet geeignet zu sein. Ein Fakt, den viele der sogenannten Experten immer noch nicht wahrhaben will.

Zahlen bestätigen das, was Experten und Politiker nicht wahrhaben wollen. „Laut ORF-Teletext nahmen sich 2008 17 Jugendliche nach Bedrohungen und Beschimpfungen auf Online-Netzwerkseiten wie Facebook oder MySpace das Leben“.***

Und dann wundern sich unsere Politiker aus den Wellness-Zentren, Parlamente genannt, wenn sie bei den Jugendlichen keine Gehör finden. Vielleicht sollten sie sich mal den Problemen von Schüler und Cybermobbing annehmen.

Letzte Änderungen am 22.09.2015

*http://news.magnus.de/internet/artikel/mobbing-im-internet-maedchen-beging-wegen-haenseleien-selbstmord.htmlhttp://www.bz-berlin.de/aktuell/welt/selbstmord-nach-internet-mobbing-article589850.html

http://www.stern.de/digital/online/mobbing-im-internet-maedchen-begeht-selbstmord-1510239.html

http://www.stern.de/digital/online/selbstmord-nach-cyber-mobbing-1510308.html

http://meedia.de/nc/details-topstory/article/facebook–mobbing-opfer-bringt-sich-um_100023428.html?tx_ttnews%5BbackPid%5D=911&cHash=b6b4f07313

http://deutschlandwaehlt2009.wordpress.com/2009/09/15/die-psychiatrischen-gutachten-helfen-mobbingopfer-nicht/

http://www.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FXlgLTDdvrTw%2Fhqdefault.jpg&imgrefurl=http%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DXlgLTDdvrTw&h=360&w=480&tbnid=RGqyke9P0_jLTM%3A&docid=3ZoObSheAW37xM&ei=vM8AVpIsgpuyAfOhv-gN&tbm=isch&iact=rc&uact=3&dur=591&page=1&start=0&ndsp=39&ved=0CCoQrQMwA2oVChMIkvqZjt6JyAIVgo0sCh3z0A_d

http://www.telegraph.co.uk/education/educationnews/7369402/Pupil-15-fell-to-death-after-accusation-she-slept-with-girls-brother.html

***http://www.oe24.at/welt/weltchronik/Cyber-Mobbing-Maedchen-begeht-Selbstmord-0541057.ece