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Neue Mobbing-Attacken gegen Günter Grass

17. April 2012
Die Partei, die Partei hat immer recht.

Die Partei, die Partei hat immer recht.

Mit seinem Gedicht „Was gesagt werden muss“ (1) hat der Nobelpreisträger Günter Grass nicht nur eine Diskussion um Krieg, Atomwaffen und Erstschlagoptionen im Nahen Osten ausgelöst, sondern die Berichterstattung in der deutschen Presse offengelegt. Zu Recht spricht Grass von einer „Art gleichgeschalteter Presse„, in die auch die Flachbildschirmsender ARD und ZDF mit einbezogen werden sollte.

Die umsägliche Selbstdarstellung des „Henryk M. Broder“ (2) bis hin zu den Talkshowflachheiten geistiger Unkultur bei Jauch macht klar, in Deutschland ist vieles seit den Jahren 1984 bis 1989 auf DDR-Niveau angelangt, nicht nur das Kanzleramt mit der FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda sondern auch der Umgang mit Bürgern und Dichtern in der Presse und den Sendeanstalten  das öffentlichen Rundfunks.

Die These von Maxim Biller, über „die Ossifizierung des Westens“ oder die „deutsche deprimierende Republik“ (3) in Anlehnung an den Aufsatz von Jürgen Habermas über „die andere Zerstörung der Vernunft“ oder „…  die Defizite der deutschen Vereinigung und über die Rolle der intellektuellen Kritik“ scheint im Fall Günter Grass zu belegen, wir sind heute auf einem Weg zurück in eine Art gleichgeschalteter Republik.

Nicht nur dass die Diskussion um und über das Gedicht von Grass eine Schlamm- und Hetzschlacht sonders gleichen ausgelöst hat, wie sie bisher nur unter der Oberfläche ablief oder in den Gerichtsälen der Arbeits- und Sozialgerichte, nein, auch die Asozialität der Ausdrucksformen hat Vorkriegsniveau erreicht und erinnert viel an die Jahre vor 1933.

Man diskutiert viel über die Jugendjahre von Grass bei der SS, 17 Jahre alt war da, aber kaum über die Stasiakte von Grass oder das Israel wegen dem illegalen Besitz der Atombombe bis heute keinen Unterschrift unter den Atomwaffensperrvertrag geleistet hat, aber dennoch aus Deutschland mit Waffensystemen versorgt wird, die viel von der Rüstungskultur der Nazis beinhalten.

Nein, man mobbt Grass mit Beleidigungen und Falschmeldungen ab, weil man schon lange die Fähigkeit zur „intellektuellen Kritik“ (4) verloren hat oder sich als Duckmäuser sonst keine Karriere in den Medien und Pressehäuser sichern kann.

Der letzte Höhepunkt dieser Schmutz- und Hetzkampagne kommt aus dem Hause Springer, wer sollte es auch schon anders sein. Laut „BILD-Zeitung“ soll Grass Probleme mit dem Herzen haben, was eigentlich bei der Hasskampagne gegen ihn nicht wundern würde, doch die Tatsachen liegen nun mal anders. Auch wenn das BILD und Politikern nicht so in den Kram passen sollte.

“ Zuvor hatte die «Bild»-Zeitung unter Berufung auf einen Kliniksprecher berichtet, Grass sei mit Herzproblemen in ein Krankenhaus gebracht worden. Der Nachrichtenagentur dpa wurde am Montagabend aus zuverlässiger Quelle bestätigt, dass Grass in die Asklepios Klinik St. Georg gebracht worden sei“. “ (5)

Nur scheinen diese Quellen und der Kliniksprecher nicht gerade von der feinen Sorte zu sein, denn der Termin in der Klinik war schon lange im voraus geplant. „Eine Sprecherin seines Büros sagte am Abend: «Frau Grass hat heute ihren Mann zu einer lange geplanten Untersuchung in ein Hamburger Krankenhaus gefahren. Wir nehmen an, dass er in den nächsten Tagen wieder zu Hause sein wird.»“. (5)

Komisch, wie man  in diesem Land so mit der Wahrheit um geht. Doch machen wir uns nichts vor, für viele war der Fall Günter Grass und sein Gedicht nur man wieder Gelegenheit so richtig einen fertig zu machen, mit Kultur und Pressefreiheit hat das aber doch schon lange nichts mehr zu tun, mit Mobbing jedoch um so mehr.

1)https://dieaktuelleantimobbingrundschau.wordpress.com/2012/04/09/mobbing-gegen-nobelpreistrager-gunter-grass/

2)https://dieaktuelleantimobbingrundschau.wordpress.com/2012/04/13/ein-mobber-namens-broder/

3)http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-ossifizierung-des-westens-deutsche-deprimierende-republik-1920987.html

4)http://www.zeit.de/1991/20/die-andere-zerstoerung-der-vernunft

5)http://www.antenne.de/nachrichten/panorama/artikel/517171/Bild-Guenter-Grass-mit-Herzproblemen-in-Hamburger-Klinik.html

Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm dreht in Mobbing-Diskussion fast durch

13. April 2011

Der Schrei!

Einst rutschten im Sätze wie, „ich habe gemobbt und wurde gemobbt“ mit einem Lächeln von den Lippen, das ihm heute wohl vergangen ist. Es ist auch nicht bekannt, ob Blüm vorher den Artikel von Jürgen Habermas gelesen hat, in denen er den Parteien den Vorwurf der Unfähigkeit macht.

„Politische Parteien vermeiden natürlich die Thematisierung von unpopulären Fragen. Das ist einerseits trivial, weil es das Ziel von Parteien sein muss, Wahlen zu gewinnen“. (1) Die Frage die sich nämlich heute in der Arbeitswelt stellt ist die, warum haben 9 EU-Länder ein Anti-Mobbing-Gesetz und die anderen Staaten wie Deutschland nicht? (3)

Doch solche Fragen werden in den Voyueristen-Shows von Maischberger kaum erörtert. So auch in der Sendung vom 12.04.2011, in der der Ex-Arbeitsminister „einem forschen Arbeitgeber-Anwalt“ namens  Helmut Naujoks  mit dem battle-cry, ich kündige die Unkündbaren, „dabei fast an die Gurgel“ ging. (2) (4)

Interessant ist, dass Frau Maischberger fast immer die selben „Labergäste“ zu dem wichtigen Thema einlädt, dass diesmal wohl aufgrund einer DGB-Studie zustande kam, nach der die “ Hälfte der Deutschen .. unzufrieden mit ihrem Job (sind und) ein Drittel hat sogar schon innerlich gekündigt“, im Stasiland Brandenburg dürften es sogar noch mehr sein. (2)

Zumindest kam diesmal auch ein betroffener aus der Kaste der „Unberührbaren“ zu Wort, „ein ostdeutscher Handwerker, der seit fast 15 Jahren seine Arbeitskraft vermietet, erzählte eindringlich, wie er sich oft als Arbeiter zweiter Klasse fühle und von den Beschäftigten seiner Gastbetriebe gemobbt werde. Obwohl er weniger verdiene als die Festangestellten“. (2)

Mobbingerlebnis!

Ansonsten haben “ eine erfolgreiche Zeitarbeits-Unternehmerin“ und der besagte Anwalt aller Kündigungsorgien und Mobbing-Strategien, Noujoks, „ich bin absolut stolz darauf, Arbeitgeber zu vertreten“, unbewiesene Behauptungen vom Stapel lassen dürfen, was den konservativen Journalisten eine Genugtuung war, nach dem Nobert Blüm nicht mehr den Clown in ihrem Affenzirkus spielen will. (2)

Es stellt sich auch die Frage nach der Qualifikation von Frau Maischberger, die Fragen wie, „warum hat Serbien jetzt ein Anti-Mobbing-Gesetz“ und weshalb haben dies auch 8 weitere Staaten in Europa“ offen ließ. Offensichtlich hat die Talkshowmasterin nicht die aktuelle Presse gelesen. Doch solche Mottenkistendiskussionen in Laber -, sorry Talk Shows kennen wir ja nur zur Genüge. Fehlt nur noch der Hinweis, bei Nebenwirkungen fragen sie ihren Arzt oder Psychiater. (3)

1)http://www.sueddeutsche.de/politik/europapolitik-merkels-von-demoskopie-geleiteter-opportunismus-1.1082536-6

2)http://www.welt.de/fernsehen/article13159572/Wenn-Arbeitgeber-von-Angestellten-gemobbt-werden.html

3)https://dieaktuelleantimobbingrundschau.wordpress.com/2011/04/11/serbien-hat-ein-anti-mobbing-gesetz/

4)http://management-karriere.de/cms/pages/fachbuecher/kuendigung-von-unkuendbaren.php

Schnauze Wessi, mehr Dialog ist nicht möglich?

24. November 2010

Mobbingopfer Stefan K.

„Ist das ein Vorurteil oder die Konsequenz aus der von Maxim Biller beschriebenen Ossifizierung der Gesellschaft?(1) Biller beruft sich dabei auf den Artikel des Philosophen JÜRGEN HABERMAS “die andere Zerstörung der Vernunft„. (2)“. (1)

Mit diesem Absatz habe ich vor zwei Tagen meinen Artikel zur Scheinhinrichtung begonnen, dann fand ich auf Stern. de folgenden Artikel von  Holger Witzel fand. Der Titel passt zu den neuen Umgangsformen im zusammengenagelten Deutschland, manche sagen auch vereinigten Deutschland. Vereinigt sagen nur die, die nicht im Ossiland als Wessi arbeiten oder leben müssen, jene aus den Tälern der Unwissenden sozusagen.

Die Realität jedoch ist anders und einfacher, gekennzeichnet von Haß und Mobbing bis hinein in die Schulen.

Neben Beerdigungen und Dienstreisen nach Hamburg gehören für mich Elternabende zu den unvermeidlichen Terminen, die schon Tage vorher eine latente Grundübelkeit mit sich bringen. Bei uns kommt erschwerend hinzu, dass viele Eltern mit innerdeutschem Migrationshintergrund die gleiche Schule bevorzugen. Die Plätze sind knapp. Das allein scheint sie für bestimmte Leute noch attraktiver zu machen als der pädagogische oder gar christliche Hintergrund der Anstalt. Es ist eine Prestige-Frage – für uns natürlich nicht. Und selbst wenn die normale Wohngebietsschule direkt ins Gefängnis führt, wie auch wir uns seinerzeit von westdeutschen Zeitgeist-Magazinen einreden ließen, so kann der ständige Umgang mit ungezogenen ADS-Kindern und ihren West-Eltern auch nicht schädlicher sein. Die Schule ist jedenfalls fest in ihrer Hand, wenn auch geografisch noch in Leipzig. Und so ähnlich wie die letzten Berliner in Neukölln bemühen sich inzwischen auch hier eher die Einheimischen um Integration.

Es fängt damit an, dass man nie genau weiß, ob man neben einer Mutter oder einer Oma sitzt, die gerade laut plappernd einen Stuhlkreis „viel kommunikativer“ fände als so einen „autoritären“ Frontal-Elternabend. Seltsamerweise kommen mir westdeutsche Eltern von gleichaltrigen Kindern immer älter vor, als sie vielleicht sind. Umso infantiler wirkt das grauhaarige Streberschnipsen bei der Frage nach einem Protokollführer und der unbändige Drang, aus allem einen Wettbewerb zu machen: Ob es um den Kuchenbasar für die Erdbebenopfer geht oder um die meisten überflüssigen Fragen zur Klassenfahrt – an ihrem Benehmen auf Elternabenden sollt ihr sie erkennen.

Eigentlich bräuchte so eine Veranstaltung kaum mehr als eine Dreiviertel Stunde: Klassenfahrt, Blumen für die alten Elternsprecher, Wahl der neuen, dann vielleicht noch TOP 4, „sonstiges“ – und jeder könnte wieder zu Hause auf dem Sofa verfolgen, wer Millionär wird. Aber nein: Noch vor der 50-Euro-Frage für die Klassenkasse beginnt die obligatorische Klagerunde über das Schulessen, einem ostdeutschen Standard, den sie aus ihrer Heimat im Zweifel gar nicht kennen. Dennoch gibt es – darauf kann man wetten – alle halben Jahre wieder endlose Diskussionen, ob nicht doch noch ein zweites oder drittes vegetarisches Menu verlangt und den Verkauf von Schokolade am benachbarten Kiosk ein für alle Mal verboten werden sollte.

Nach der ersten Stunde beginnen einzelne Eltern, die Augen zu verdrehen. Meist sind es die, mit denen man schon bei der Einschulung instinktiv zusammen gestanden hat, und – wie sich später herausstellte – mit deren Kindern die eigenen instinktiv befreundet sind. Es ist ein rätselhaftes Phänomen, das einem auch auf Partys, in Reisegruppen oder bei anderen gemischten Veranstaltungen immer wieder begegnet: Ein leiser Seufzer, ein viel sagender Blick, alles klar. Es hat nach 20 Jahren nichts mehr mit Mode und nur noch selten mit Dialekten zu tun: Wir fallen einander auf, weil wir nicht weiter auffallen, was den anderen vermutlich nicht mal auffällt, weil sie damit beschäftigt sind aufzufallen. Kein Wort müssen die einen verlieren, um sich über die anderen einig zu sein: Wie sie sich produzieren und genau wie ihr Nachwuchs den Ton in der Klasse angeben. Wie sie die Verhaltensauffälligkeiten ihrer Kinder mit ihren eigenen vertuschen und sich notfalls über Mobbing beklagen, wenn das nicht allen gefällt.

Das ist nach der Schulspeisung ihr zweites Lieblingsthema: Offenbar finden die einheimischen Kinder einfache Mittel gegen die aufgeblasenen Angeber unter ihnen, schubsen sie beiseite oder schließen sie vom Spiel aus, wenn die auf dem Schulhof die Attitüden ihrer Eltern nachahmen. Vielleicht ist es sogar das, was gern mit Fremdenfeindlichkeit verwechselt wird, sofern die Eltern es nicht sowieso mit Neid abtun. Auf jeden Fall liegt es nie an ihnen selbst.

Wenn die Wunderkinder nicht still sitzen können, erklären das ihre Eltern gern mit Unterforderung. Bestätigt sich die Hochbegabung auch nach zehn Tests nicht, sind entweder die Ärzte zu blöd oder der kleine Prinz wird eben mit Medikamenten ruhig gestellt. Die Lehrer können noch so jung oder selbst aus dem Westen sein – in kaum einer Versammlung fehlt der Hinweis auf „alte Volksbildungsmethoden“. Überhaupt haben es ihre „kleinen Individualisten“ in dieser immer noch von Zwangskollektivierung geprägten Gegend besonders schwer. Nicht mal die Schulklasse kann man sich im Osten selbst zusammenstellen! Ohnehin reden sie lieber von der „Peergroup“, wünschen sie mehr „Corporate Identity“ und wollen – offenbar aufgewiegelt vom plötzlichen Mut ihrer Landsleute in Stuttgart und Gorleben – die Benotung von Hausaufgaben wieder abschaffen. Gegen den angeblich zu harten Ost-Sportlehrer laufen ebenfalls Putsch-Pläne. Im Zweifel geht ein Rechtsanwalt aber auch ganz individuell gegen zu schlechte Noten vor, damit die kleinen Seelen nach einer 3 keinen Schaden nehmen.

Eine Mutter schlägt vor, sich doch auch mal nachmittags zu treffen, damit die jungen Erwachsenen dabei sein können und nicht immer nur über sie gesprochen werde. Das übliche demokratische Blendwerk. Als wenn es nicht vielmehr darum ginge, den Vollzeit-Müttern die Langeweile bis zum Abendbrot zu vertreiben. Ihre Männer blockieren irgendeine Funktion in Justiz oder Verwaltung, für die ostdeutsche Bewerber auch nach 20 Jahren noch nicht geeignet sind. Die Ehefrauen suchen seitdem verzweifelt sozialen Anschluss in der fremden Stadt. Im Grunde ist so ein Elternabend neben der Putzfrau ihr einziger Kontakt zur einheimischen Bevölkerung. Ein gesellschaftlicher Höhepunkt wie der Opernball oder die Weihnachtsfeier der Lions-Frauen, nur das sie da wenigstens unter sich bleiben.

„Spontan“ – sie nennen das wirklich so – erklärt sich eine andere Mutter bereit, Dinkelkekse zu backen, „natürlich glutenfrei“, als wäre das nicht ohnehin selbstverständlich. Einem engagierten Vater fällt daraufhin ein, dass man doch bitte auch zur Klassenfahrt an laktosefreie Milch denken möge. Er selbst könne übrigens ein wenig zaubern und sich vorstellen …

Es wäre der Moment für ein ehrliches „Schnauze, Wessi“, aber würde die Sache auch nicht verkürzen. Der „5b-Spiele-Nachmittag mit Eltern“, so das Protokoll, klingt schon in der Brainstorm-Phase wie die Höchststrafe für Fünftklässler und geistig normal entwickelte Erwachsene. Zu Hause läuft indessen die Miete weiter und mit „Frauentausch“meine Lieblingsserie über westdeutsche Asi-Familien. Auf unserem Elternabend meldet sich nun ausnahmsweise auch mal eine Leipziger Mutter zu Wort und gibt leise zu bedenken, dass vielleicht auch ein paar Eltern arbeiten müssten, sie selbst zum Beispiel bis 20 Uhr in der Kaufhalle. Was für ein läppischer Einwand! Er wird nicht einmal ignoriert.

Stattdessen zählen die anderen nun im Detail auf, an welchen Tagen ihre Kinder nicht können – wegen Yoga, Spanisch Konversation und Cello bei Professor Soundso. Bis ich begreife, dass es gar nicht mehr darum geht, sich auf einen Nachmittag zu einigen, seufze ich wohl einmal zu laut. „Und“, fragt meine Nachbarin, die Cello-Mama, prompt: „Was spielt ihrer so?“ Dabei lächelt sie, jedenfalls lächelt ihr Mund. Und alle Mitbewerber um das meist verplante Kind der Klasse schauen ebenfalls angespannt zu mir.

Erst denke ich an Lego, doch dann fällt mir noch etwas Besseres ein: „Meiner spielt Gameboy“, sage ich, „Meisterklasse bei Professor Nintendo.“ Alle schweigen ein paar Sekunden peinlich berührt, aber danach können wir endlich die neuen Elternsprecher wählen. Wie jedes Mal halten sich die einen auch dabei nach Kräften zurück, weil jedes Amt, jede Wortmeldung, jeder unüberlegte Schritt aus der Reihe nach ihrer Diktatur-Erfahrung immer noch einen fiesen Beigeschmack hat. Die anderen lauschen verzückt der eigenen Bewerbung, liefern sich Kampfabstimmungen und am Ende verliert die Cello-Mama knapp gegen einen Landsmann aus Niedersachsen. Sie beißt die Zähne zusammen und gratuliert dem neunen Elternsprecher lauter als nötig. „War nur der Väter-Bonus“, tröste ich sie, „nächstes Schuljahr, neues Glück!“ Und ich fürchte, sie findet mich nun ganz nett“. (2)

Im Jahr 2010 ist die neue deutsche Mauer nicht mehr aus Beton, sondern aus dem Material, aus dem man den Mob geformt hat, Haß und Neid, und diese ungeheuerliche Brutalität, die über 30 Jahre das Regime an der Berliner Mauer bestimmt hat.

1)https://dieaktuelleantimobbingrundschau.wordpress.com/2010/11/24/wenn-ossis-mobben-wird-es-immer-brutaler/

2)http://www.stern.de/politik/deutschland/schnauze-wessi-showdown-beim-elternabend-1622725-print.html

Wenn Ossis mobben wird es immer brutaler.

24. November 2010

Mobbingopfer Stefan K.

Ist das ein Vorurteil oder die Konsequenz aus der von Maxim Biller beschriebenen Ossifizierung der Gesellschaft?(1) Biller beruft sich dabei auf den Artikel des Philosophen JÜRGEN HABERMAS „die andere Zerstörung der Vernunft„. (2)

Letztes Jahr haben in einer Einrichtung der Potsdamer Handwerkskammer „Lehrlinge“ ihren jungen Kollegen Stephan K. schikaniert, gedemütigt und dann als Höhepunkt „angezündet“. „Das Martyrium von Stefan K. ging nach der Zuschaustellung im Internet seiner „Demütigungen“ vor versammelter Mannschaft ohne Skrupel weiter. Als nächster Höhepunkt wurde er angezündet, unfassbar was dort in der Handerkskammer und den Ausbildungsstätten von Brandenburg los ist.(3)

Zeitungen und Medien haben den Fall nicht weiter verfolgt, auch so eine Art von „Wegschauen“.  Politiker haben sich dazu bis heute nicht geäußert, dazu hat man in Brandenburg wohl zu viel mit den „Stasigeschäften“ und einem „Ex-Innenminister“ Speer“ zu tun.(4)

In Thüringen haben nun vier Jugendliche einen 22-Jährigen mit einer „Scheinhinrichtung“ fertiog gemacht und ins Internet gestellt. „Er musste sein Grab schaufeln, sich nackt hineinlegen, dann wurde ihm eine Waffe an den Kopf gehalten. Vier Jugendliche quälten einen 22-Jährigen“. (5)

Angeblich soll das Opfer den Wagen eins 21-Jährigen beschädigt haben. Als Strafe sozusagen wurde er dann regelrecht zusammengeschlagen. „In einem nahe gelegenen Waldstück sei der 22- Jährige mit Tritten und Schlägen misshandelt worden.

Nach der Schilderung des Opfers richtete einer der vier eine Waffe auf seinen Kopf, bei der es sich laut Ermittlern um eine Schreckschusspistole handelte. Nach weiteren Demütigungen ließen die Peiniger von dem 22- Jährigen ab und setzten ihn bei Heiligenstadt aus“. (5)

Die Polizie ermittelt nun und die Täter sitzen wenigstens im Gefängnis, U-Haft genannt.

Diese Art von Grausamkeit und Selbstjustiz zeigt aber auch, wie schwer es oft Opfer haben, sie zu wehren.

1)http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E268B034D9E5745B48131BFF63261828A~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_feuilleton

2) http://www.zeit.de/1991/20/Die-andere-Zerstoerung-der-Vernunft

3)https://dieaktuelleantimobbingrundschau.wordpress.com/2009/12/22/mobbingopfer-angezundet-und-ins-internet-gestellt/

4)http://www.pnn.de/titelseite/351863/

Ossi-Frau klagt wegen Diskriminierung vor dem Arbeitsgericht.

14. April 2010

Die da hat man als Ossi ausgegrenzt.

Dieser interne Krieg Ossi gegen Wessi und Wessi gegen Ossi findet unter den Augen einer wegschauenden Öffentlichkeit seit etwa 15 Jahren statt. Selbst die Wissenschaft stellt dies nun vermehrt fest, die Befindlichkeiten zwischen Ost und West wachsen an.

„Rund 20 Jahre nach dem Mauerfall haben sich die Vorurteile zwischen Ost- und Westdeutschen nach Ansicht eines Berliner Forschers verschärft. Die Vorurteile wurden nicht abgebaut, sondern haben sich verfestigt und teilweise vergrößert, sagte der Leiter des Forschungsverbunds SED-Staat von der Freien Universität Berlin, Klaus Schroeder“. (1)

Die Medien und Politiker mögen dies hartnäckig verschweigen, wir Bürger spüren das Tag für Tag, ob nun Wessi oder Ossi. Und der Philosoph Jürgen Habermas hat in seinem Artikel „Die andere Zerstörung der Vernunft“ Medien, Politik, Wirtschaft und uns als Bürger schon 1991 auf das Problem der politischen und sozialen Kultur und die Folgen der Zerstörung der selbigen hingewiesen. Vergebens wie wir heute aller Ort feststellen müssen.

„Die politische Kultur besteht aus einem verletzbaren Geflecht von Mentalitäten und Überzeugungen, die nicht durch administrative Maßnahmen erzeugt oder auch nur gesteuert werden können. Was wir beklagen, ist der rücksichtslose Umgang mit unwägbaren, schonungsbedürftigen moralischen und geistigen Ressourcen, die sich nur spontan und nicht auf dem Verordnungswege regenerieren können“. (2) Und diese Spontanität besitzen eben nicht alle, den Bundesbürgern vor 1989 ist sie jedenfalls nicht fremd, denn Spontanität setzt Demokratie voraus und die gab es nun mal in der DDR 40 Jahre nicht.

Nicht immer ist Demokartie drin, wenn es auch drauf steht, auf der Verpackung.

Zu Recht verweist der Philosoph auf den Unterschied zwischen der Zerstörung einer Produktionsebene und die einer Kultur. Viele DDR Bürger haben dies über 20 Jahre durchleiden müssen. „Die administrative `Abwicklung` von Akademien, Hochschulen, Museen, die Umstellung von Theater, Film und Literatur auf die im Westen eingespielten Modelle von Markt und Subvention sind ja im Effekt noch schlimmer als die Zerstörung von Produktionskapazitäten in anderen Sektoren. Denn die intellektuellen Kapazitäten lassen sich, wenn man die Produktion für zwei, drei oder fünf Jahre unterbricht, nicht mehr regenerieren. Geknickte Biographien sind in jedem Fall eine Katastrophe. Jedoch lassen sich industrielle Kapazitäten unter anderen Bedingungen ersetzen. Zerfallene kulturelle Milieus lassen sich nicht in gleicher Weise wieder aufbauen. Wenn sie ruiniert sind, sind sie es ein für allemal“. Und das Empfinden ehemalige DDR auch heute noch so als „die Katastrophe“ der zerfallenen nicht wieder aufzubauenden Milieus. (2)

Und wenn man davor die Augen nicht verschließt, dann versteht man auch, was da abgeht im Süden der Republik, bei den arbeitsamen und  nicht geraden intellektuellen Kapazitäten schwäbischer Unternehmer. Da hat man doch glatt weg einer „Frau, Mitte Vierzig, aus dem Raum Stuttgart … neben dem entschuldigenden Ablehnungsschreiben .. auch ihre eingesandten Bewerbungsunterlagen zurückgeschickt. Auf ihrem Lebenslauf, rechts von den persönlichen Angaben, hatte der potentielle Arbeitgeber notiert: „(-) Ossi“. Man kann daher auch sagen, MinusOssi und hätte damit die Verpackung des Problems mal wieder geändert, der Inhalt ist jedoch gleich geblieben(3)

Nun klagt die Buchhalterin zurecht, „dass dies eine Benachteiligung wegen ihrer ethnischen Herkunft sei. Das hat sie stark getroffen“, sagt ihr Rechtsanwalt Wolfgang Nau.

Nackt sind alle Ärsche gleich, oder?

Gemeinsam entwickelten sie die Argumentation für den 15. April: Das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG), vereinfacht Antidiskriminierungsgesetz genannt, verbiete eine Absage mit dem Argument Ossi. Das Gesetz wolle schließlich Benachteiligungen aufgrund der `Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft´ ausschließen“. (3)

Man darf nun gespannt sein, wie der Arbeitsrichter entscheidet. Die Klägerin auf jeden Fall hat sich richtig entschieden, so etwas lässt man sich weder als Ossi noch als Wessi gefallen. Es wird Zeit, dass auch Unternehmer, Politiker und Richter erkennen, 2010 ist Ausgrenzung nicht mehr möglich, das haben wir übrigens der EU zu verdanken. Sie hat seit 2000 Druck gemacht, dass auch die Bundesrepublik ein AGG verabschiedet. Und die ersten Erfolge sind nicht zu übersehen. (4)

Man kann auch das AGG philosophisch interpretieren, „Vielfalt statt Einfalt“, ob das unsere Politiker und Richter überhaupt verstehen oder auch nicht.

1) http://www.webnews.de/http://www.n24.de/news/newsitem_5219422.html

2) http://www.zeit.de/1991/20/Die-andere-Zerstoerung-der-Vernunft?page=1

3) http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,687929,00.html

4)http://harrygambler2009.wordpress.com/2010/01/30/das-eu-urteil-zum-kundigungschutz-fur-junge-arbeitnehmer/

Die verkohlte Generation.

16. Juni 2009

Mobbing-Opfern wirft man immer vor, sie seien Querulanten, Whistle Blower oder Individualisten mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitsempfinden, wie es eigentlich in einer Demokratie benötigt wird. Nicht umsonst und als Beweis für diese Notwendigkeit, sich gegen Unrecht und Schikane zu wehren, sei hier der Philosoph Jürgen Habermas erwähnt. Für ihn besteht  „die politische Kultur …. aus einem verletzbaren Geflecht von Mentalitäten und Überzeugungen, die nicht durch administrative Maßnahmen erzeugt oder auch nur gesteuert werden können.“

Sollte man also denken, wer sich anpassend und an der Norm ausrichtet, der bringt es eben zu etwas im Land der Piefkes. Diesem Schlachtruf der neoliberalen Zeitwende ab 1983 etwa, Schluß mit lustig und Politik an den Universitäten,  mit dem Beginn dieser unsäglichen Ära Kohl – Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern – ist eine ganze Hochschulgeneration gefolgt. Ohne zu hinterfragen, sich ein eigenes Weltbild zu schaffen oder zu erarbeiten, denn dafür gibt es keine 1,2 oder gar ein Diplom, haben sich diese 20 bis 40 jährigen folgsam allen Pflichten gebeugt. Konsum von Wissenschaft statt Studium könnte man den Weg beschreiben, und faule Beamte in der Position des Professors haben diesen Trend gefördert, so sei das ja auch in den USA und International.

„Von der Uni kommen sie mit besten Noten plus Praktika plus Auslandserfahrung. Sie haben alles richtig gemacht – und fassen dennoch kaum Fuß auf dem Arbeitsmarkt.“ Warum wohl? Diese Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski Generation – Philosophie als SAT 1 Mac für das Volk,  hat kein Gesicht und ist austauschbar wie eben ein Mac D oder C. Benotung hin oder her, das Leben erfodert mehr als Bobby-Cars, Märklin-Eisenbahnen, E-Gitarren, einen C64 und Gameboy. Das haben ihnen diese selbsternannten akademischen Elfenbeinbewohner nicht gesagt.

Der Alltag ist grausam und voller Hinterlist, das fängt schon bei Bewerbungen an, wer nicht zu erkennen gibt, das er abhängig ist, kein Vitamin B besitzt und sonst auch nicht für Gefälligkeiten zur Verfügung steht, der bekommt keine Chance, Krise hin oder her. Nicht für alle politischen Fehlentwicklungen kann die Finanzkrise und ihre Verursacher, die Heuschrecken etwas.

Nun hat ihnen der Spiegel eine Hommage gebastelt, in denen sie als die Krisenkinder von heute entlassen werden in das Morgen der Frühverrentung. So einfach ist das, wer  „Unterhaltungsshows bastelt, 90.000 Euro für seine  Ausbildung bekommt, einen riesigen Markt bastelt oder nur ein makelloses Curriculum Vitae“ vorweisen kann, steht geanuso vor der Tür wie der „Aussenseiter aus der Ghettoschule in Neukölln.

Wer nur nach Plänen lernt und nicht nach eigenem Bedarf und Interesse, dem fehlt einfach Kante und der wird im Alter ab 40 untergehen wie ein Mühlstein. Krisenkinder sind in erster Linie „verkohlte“ Kinder. Sie werden einfach immer nur Kinder bleiben wie Frau Schickedanz , der man Titel „ewige Tochter“ verliehen hat, den sich auch noch 2009 ihr eigen nennen darf ob nun über 60 oder 35, Karstadt-Quelle war ihr Untergang.

Krisengeneration

Krisengeneration

Und ihre Leitbilder und deren Philosophie der neolibralen Mac Raffke Gesellschaft, ob nun als Leitbild Helmut Kohl gilt  oder Angela Merkel, sind nur noch böse Albträume oder hoffungslose Kandidatin für die „Waschtrommel“ im Untergang der Piefke Gesellschaft. Und der Untergang der Kinder dieser Neoliberalen hat schon längst begonnen, Komasaufen bis der Erste stirbt gehört heute zu unserer Gesellschaft und der „verkohlten“ Krisengeneration wie der Rauch zum Feuer.

Letzte Änderung am 14.07.2015