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Cybermobbing: Tim Ribberink, 20 Jahre alt und zwei Teenager aus Steinfurt begehen Suizid

14. November 2012

Pressenachrichten zu Mobbing-Fällen in den letzten Tagen:

Holland zeigt sich erschüttert über den Suizid von  Tim Ribberink, 20 Jahre alt der einen Brief an seine Eltern hinterlassen hat. (1)

 „Liebe Pap und Mam, ich wurde mein ganzes Leben lang verspottet, gemobbt, gehänselt und ausgeschlossen. Ihr seid fantastisch. Ich hoffe, dass ihr nicht sauer seid. Auf Wiedersehen, Tim.“ Offenbar hat Tim keine Chance  trotz all seiner Liebe zu seinen Eltern mehr gesehen, dem Mob zu entkommen. (2)

Während man in Holland den Opfern gedenkt, werden bei uns in Deutschland Suizide* Mobbing-Opfern immer noch tabuisiert und wir erfahren nie ihre Namen. So hat uns wenigstens Tage nach dem Freitod von Tim Polizeihauptkommissar Guido Wilke über den Suizid zweier gemobbter Teenager im Kreis Steinfurt   informiert. (3) In einem Fall ermittelt wenigstens Ansatzweise der Staatsanwalt.

Und wir erfahren über den Prozess und ein Urteil gegen einen Cyber-Mobber aus Augsburg. „Mit blutrünstigen, widerlichen Gewaltfantasien hat ein 21-Jähriger auf Facebook seine Ex-Freundin bedroht. Er erging sich auch in diversen Tötungsszenarien“. (4)

Der Schrei

Der Schrei

Das Urteil, eine „Geldstrafe von 6300 Euro (180 Tagessätze zu je 35 Euro)“. (4)

Und wie bei uns Mobbing schon längst zum Alltag geworden ist verdeutlicht der Fall des Betriebsrätemobbing in Rüsselsheim durch den koreanischen Automobilhersteller Hyundai. „Die sieben Mitglieder des Betriebsrats, der seit drei Jahren besteht, wurden auch in einem Aushang am Schwarzen Brett beschuldigt, gegen Interessen der Belegschaft zu handeln. Über 200 Mitarbeiter sind in dem Entwicklungszentrum tätig. Leitende Angestellte hätten den Arbeitnehmervertretern zudem vorgeworfen, sich zu bereichern. „Zum Teil sind Vorgesetzte mit Listen durch die Abteilungen gelaufen und haben die Beschäftigten zur Unterschrift aufgefordert“, heißt es in den IGM-Artikel. Dabei sei auch gedroht worden, bei Nichtbeteiligung Gehaltsanpassungen und Bonuszahlungen zu verweigern“. (5)

Doch dazu hat leider nicht dazu geführt, dass die IGM sich mit einer Gesetzesinitiative an die Bundesregierung gewandt hat, vielmehr versucht man mit „Klein Klein“ sich durch die Arbeitsgerichte zu mogeln und jedes Urteil als Sieg zu feiern. Nur helfen tut das vielleicht einigen Mitgliedern vor Ort, Mobbing stoppen jedoch wird es auf keinen Fall. Auch diese grausame Lehre werden die Funktionäre der IGM noch verstehen.

Denn Mobbing gibt es nicht nur in den Fabriken, sondern auch in den Verwaltungen unseres Landes, dies zeigt der Fall des „des Amts enthoben“ Taufkircheners Bürgermeister Pötke. „Über Monate hin­weg soll Bür­ger­meis­ter Jörg Pötke für eine so nega­tive Stim­mung in sei­nem Haus gesorgt haben, dass sich die Zahl der Krank­schrei­bun­gen in der Gemein­de­ver­wal­tung zuletzt ver­dop­pelt hatte. (6)

Neben den Mobbing-Attacken Jörg Pötke`s gegen seine Mitarbeiter im Rathaus schockiert die Tatsache, dass erst das „Amts­ge­richt .. … auf das Drän­gen von Betrof­fe­nen Ermitt­lun­gen ein­ge­lei­tet“ hat, arme Polizei.

Und selbst an unseren Schulen grassiert Mobbing in einem bisher nie gekannten Ausmaß. Laut einer aktuellen Umfrage fühlt sich jeder 6. Lehrer gemobbt. Kaum zu glauben, dass da noch ein ordentlicher Unterricht stattfinden kann. „… Viele Lehrer (fühlen sich)  in der Schule selbst oft geärgert, benachteiligt, beleidigt oder gar bedroht – mal von den eigenen Schülern, mal von Kollegen oder Eltern und besonders oft von ihren Chefs, den Schulleitern“. (7)

Nur alle schweigen dazu, die Verharmlosung von Mobbing und deren Folgen ist in Deutschland fast schon zu einer rituellen Handlung verkommen. Insbesondere wenn Mobbing-Opfer sich selbst noch per Gericht um Hartz IV kümmern müssen um ihren Lebensunterhalt zu sichern zeigt sich eines ganz deutlich, Deutschland hat eine Täterkultur und steht damit im Widerspruch zu den europäischen Menschenrechten. (8)

*http://de.wikipedia.org/wiki/Suizid

1)http://www.borlife.de/8955-cybermobbing-tim-ribberink-nimmt-sich-in-holland-das-leben

2)http://www.welt.de/vermischtes/article110696617/Ich-hoffe-ihr-seid-nicht-sauer-Auf-Wiedersehen.html

https://dieaktuelleantimobbingrundschau.wordpress.com/2012/11/06/verspottet-gemobbt-gehanselt-und-ausgeschlossen-tim-20-jahre-alt-beging-selbstmord/

http://www.derwesten.de/panorama/eltern-veroeffentlichen-abschiedsbrief-von-mobbingopfer-id7265996.html

3)http://www.mv-online.de/Muensterland/Cyber-Mobbing-Zwei-Suizide-im-Kreis-Steinfurt

4)http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Junger-Mann-droht-Ex-Freundin-mit-Toetungsfantasien-id22570936.html

 5)http://www.main-spitze.de/region/ruesselsheim/12573200.htm

6)http://www.sat1bayern.de/news/20121108/mobbing-vorwurf-taufkirchens-buergermeister-poetke-des-amts-enthoben/

7)http://www.idw-online.de/de/news506883

http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/studie-jeder-sechste-lehrer-fuehlt-sich-gemobbt-a-866808.html

8)http://www.kanzlei-blaufelder.com/sanktionen-wegen-arbeitsaufgabe-bei-hartz-iv-beziehern-schwieriger-lsg-mainz-gemobbte-arbeitslose-muss-leistungen-nicht-zuruckzahlen/

Verspottet, gemobbt, gehänselt und ausgeschlossen, Tim, 20 Jahre alt beging Selbstmord

6. November 2012

Holland erlebt erneut ein soziales Beben. Tim, 20 Jahre alt und Mobbing-Opfer hat sich durch den Freitod dem Mob entzogen. Offenbar konnte ihn die Gesellschaft nicht vor den ständigen Hassattacken des Mobs schützen.

Sein Abschiedsbrief an seine Eltern, den diese in der  Todesanzeige für ihren Sohn Tim veröffentlicht haben, hat wohl ganz Holland wachgerüttelt und sagt eigentlich alles aus.

„Liebe Pap und Mam, ich wurde mein ganzes Leben lang verspottet, gemobbt, gehänselt und ausgeschlossen. Ihr seid fantastisch. Ich hoffe, dass ihr nicht sauer seid. Auf Wiedersehen, Tim.“

Tim ist nun tot, ein Junge der zwei Gesichter hatte. „Er sieht glücklich aus auf dem Foto. Ein breites, freundliches Lachen, sympathische Augen, die Haare modern nach oben gestylt. Nichts deutet darauf hin, wie schlimm es in Tim R. aus dem holländischen Tilligte aussieht. Der 20-Jährige wird gemobbt. Und das schon lange“, viel zu lange, denn offenbar hat den Terror nicht mehr ertragen können.

http://www.n-tv.de/panorama/Tims-Worte-erschuettern-Holland-article7665216.html

http://www.ffh.de/news-service/ffh-nachrichten/nController/News/nAction/show/nCategory/topnews/nId/20487/nItem/amsterdam-niederlaender-trauern-um-mobbing-opfer-tim.html

Behinderten-Mobbing an der Uni und bei der Arbeit.

24. November 2011

Einer fehlt!

Der Lebens- und Ausbildungsweg von Marie Christine Lanfermann (22) in den letzten 12 Jahren zeigt, wie groß der Graben bei uns zwischen Anpsruch und Wirklichkeit in Sachen Behinderung und Ausgrenzung ist.(1)

Marie Christine Lanfermann leidet an Tetraspastik, das heißt, sie hatte einen „frühkindlichen Hirnschaden..,.. der ihre Bewegungsfreiheit radikal einschränkt“ und versucht dennoch für sich das Beste daraus zu machen. Doch wenn sie ehrlich ist,  kennt sie nur Hürden. So wird sie etwa beim Wunsch nach einem Studium gefragt, „warum sie denn studieren wolle und finanzielle Hilfe dafür brauche. Der Antrag war 17 Seiten dick“. (1) Bei uns sind eben Behinderte nicht gerne in der Öffentlichkeit gesehen, schon gar nicht, wenn dort die Elite von Morgen (EvM) verkehrt.

Und das beileibe ist nicht die Ausnahme. „Bei einem Volontariat in der Pressestelle der Verwaltung einer Nachbarstadt hat man mich gemobbt. Ich sollte täglich zehn Stunden sitzen und durfte aus versicherungstechnischen Gründen nicht aufstehen, sagt die 22-Jährige“. 10 Stunden sitzen, wie so hat man sie nicht gleich gefesselt?(1)

Man kann nur hoffen, dass Marie Christine ihre Hoffnung nicht verliert, wenn sie auch weiß, „normal zu leben, ist für mich unmöglich. Nicht, weil ich behindert bin, sondern, weil ich behindert werde.“(1)

1)http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/behinderte-studentin-der-tu-dortmund-leidet-unter-mobbing-id6091475.html

Innsbruck, ein Ex-Polizist verklagt den Staat wegen Mobbing

1. Juli 2011

Mobbing

Nicht nur In Deutschland scheint es ein System Mobbing zu geben, auch Österreich versinkt mehr und mehr im Mobbing-Sumpf. „Es sei auch einem Besetzer (Besetzungsdienst, Anm.) zuzumuten, seinen Arsch vom Sessel zu erheben, seine pupsenden Tätigkeiten hintanzustellen.(1) Dieser „Brüllaffenton“ erhielten Mitarbeiter vom stellvertretenden Innsbrucker Wachzimmerkommandant per Mail 2006. 

Doch bei beleidigen blieb es nicht,  ein „Polizist“ verklagt jetzt „die Republik Österreich auf Schadenersatz, weil er von seinen Vorgesetzten als 52-Jähriger in die Frühpension gemobbt worden sein soll“.(1)

„Seine Wurzeln hat der uniformierte Rosenkrieg in der Zusammenlegung von Polizei und Gendarmerie im Sommer 2005. Der nunmehrige Frühpensionist war stv. Kommandant einer Innsbrucker Inspektion, wurde aber bei der Fusion der Wachkörper nicht mehr berücksichtigt. Fortan musste der einstige Vorgesetzte als einfacher Sachbearbeiter seinen Dienst versehen. Stetige Hänseleien seiner Person folgten“. (1)

Als sich der Polizeibeamte wehrte, wurde es noch schlimmer, was wir von vielen krankhaften Mobbing-Tätern kennen, Kritik können sie nicht ertragen, Zivilcourage auch nicht. So erhielt er eine „Ermahnung wegen Nichteinhaltung des Dienstweges einbrachte. Als er beim Landeskommando um ein Gespräch bat, erhielt er einen Termin am Faschingsdienstag – eine Frotzelei für den Beamten. (1)

Ermahungen in Deutschland sind eine „Spezialität“ der Ex-Stasileute aus Potsdam und wurde vielfach zur Schikane eingesetzt, inetressant, dass die schon 2006 in Österreich auftaucht. Arbeitsrichter in Deutschland haben diese Schikanemaßnahme nie verstanden oder wollten es wie beim LAG Berlin-Brandenburg auch garnicht. 

Die Eskalation ging dann für den Polizisten weiter, nun sollte plötzlich „eine illegale Pistole in seinem Spind verstaut“ haben, „Sommer 2006 wurde (er dann) wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses für zwei Jahre vom Dienst suspendiert. Nach seiner Rückkehr setzten ihn die Vorgesetzten als Torwächter ein“, am Ende stand dann die Frühpensionierung.

Nun klagt der Polizist und gestern war der erste Gerichtstermin. „Die Finanzprokuratur, die die Republik vor Gericht vertritt wies die Vorwürfe und Forderungen des Beamten beim gestrigen Prozessauftakt zurück – kein Vergleich. Verhandlung vertagt.“ Man darf gespannt sein, wie der Richter entscheiden wird.

1)http://portal.tt.com/csp/cms/sites/tt/%C3%9Cberblick/Chronik/ChronikInnsbruck/2982489-42/polizist-klagt-staat-wegen-mobbing.csp

System-Mobbing im Erwachsenen- und Jugendschutz in Biel (EJS), Schweiz

30. August 2010

Nicht nur in Hessen wird mit einem ganz bestimmten System im „öffentlichen Dienst“ gemobbt, sondern auch in der Schweiz. Offenbar lernen die Täter sehr schnell voneinander.

Der aktuelle Fall in Biel in der Schweiz beim EJS zeigt ein System auf, nach dem dort bis zu acht Mitarbeiter fertig gemacht wurden und werden. „Acht Personen haben sich gegenüber dem Bieler Tagblatt anonym zu den Arbeitsbedingungen und -abläufen beim Erwachsenen- und Jugendschutz in Biel (EJS) geäussert.

Sie beschreiben deckungsgleich das selbe System: Die Leiterin des Amtes schart um sich einen Clan von Leuten, welche keine Fragen stellen. Wer nicht Teil des Kreises ist, wird ausgeschlossen und gemobbt. (1)

Es müssen vor Ort üble Dinge passieren, die Mitarbeiter nennen folgende Umstände.

– „vergiftetes Arbeitsklima

– Kündigungen

– Schnüffeln nach Dokumenten

Einsatz vom „Spionen

– Dokumente werden vernichtet

– Bei Arbeitszeitproblemen  kommt es zu Handgreiflichkeiten

– Heimliche Mitarbeiterkontrolle

– Telefongespräche werden nicht weiter geleitet

Atmosphäre der Angst„. (1)

Diese Liste von Schikanen zeigen Strukturen auf, die auch bei der Stasi angewendet wurde und seit her wohl europaweit geschult werden. Kaum zu fassen, dass diesen acht „Personen“ niemand hilft. Das System-Mobbing arbeitet schnell und gründlich, leider.

Letzte Änderung 20.08.2015

1)http://www.bielertagblatt.ch/News/Region/182938

Pfefferkörner gegen Mobbing

19. Juli 2010

„Die Pfefferkörner ist eine deutsche Kinder- und Jugendserie. Es wird eine Gruppe von fünf Jugendlichen dargestellt, die Kriminalfälle löst. Die ersten 52 Folgen der NDR-Produktion wurden von 1999 bis 2003 in vier Staffeln in der Hamburger Speicherstadt gedreht“. (1)

Am 18.07.2010 hieß der Sendebeitrag „Gemobbt„. (2) 

Eine der letzten Folgen heißt „Gemobbt“. „Darin wird Yeliz verdächtigt, einen Jungen ihrer Schule zu mobben, dem dann auch noch ein furchtbarer Unfall zustößt. Ihre Freunde haben alle Hände voll zu tun, den Verdacht zu entkräften.

So ein Verdacht ist ein schlimme Sache – genau wie das Mobbing an sich auch. Bist du auch schon einmal falsch verdächtigt worden? Oder kennst du einen Fall von Mobbing bei dir an der Schule? Was hast du gemacht oder was wurde unternommen, um gegen das Mobbing oder den falschen Verdacht vorzugehen? Erzähl uns von deinen Erfahrungen und was du so erlebt und gemacht hast“. (3)

Immer öfters nimmt sich nun das „Pantoffelkino“ dem Thema Mobbing an,was nur gut sein kann auf dem Weg zur Veränderung und gesetzlichen Regelung zum Opferschutz. In Schweden übrigens bekommen auch Schüler genauso wie in Spanien „Schadenesersatz“, wenn sie Mobbing-Opfer sind.  

1)http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Pfefferk%C3%B6rner

2)http://www.rtv.de/detailansicht.php?sendungs_id=20036568

3)http://www.pfefferkoerner.de/themen/themen116.html

Mutter von Mobbing-Opfer sucht Rat und Hilfe

27. Mai 2010

Gebrochene Saeule, Frida Kahlo

Das Internet ist oft die letzte Rettung für Mobbing-Betroffene und deren Angehörige. Bis heute war weder die Bundesregierung noch ein Länderparlament in der Lage eine vernünftige Internetseite aufzubauen, um Betroffenen den ersten Kontakt anzubieten und sie dann an die entscheidende Bearbeitungsstelle zu verweisen.

Und da wir weder einen Ombudsmann  für Mobbing-Fälle haben noch eine einheitliche Gesetzesgrundlage sind Mütter wie „Fee40“ auf die Anonymität des Internets angewiesen. So was nennen wird dann Demokratie.

Hier das Problem einer Mutter, die sich um ihre Tochter sorgt, die als Auszubildende „gemobbt und auch sexuell belästigt“ wird.

Auszubildende wird vom Chef gemobbt und sexuell belästigt.

gefragt von Fee40 am 04.03.2010 um 22:26 Uhr

Hallo, ich bin Mutter einer Tochter die sich in der Ausbildung als Zahnarzthelferin befindet. Sie, und noch eine weitere Azubine werden vom Chef derart bleidigt, gemobbt und auch sexuell belästigt, das es kaum noch zumutbar ist dort zu arbeiten. Das fängt mit „Hänseleien“ wie: „du bist dumm wie brot“ an, und hört auf mit körperlichen Übergriffen (mit Daumen und Zeigefinger ins Gesicht flipsen, kneifen in die Brust usw.)Die Angestellten werden auch von Ihm als Schlampen tituliert. Tagtäglich werden die Angestellten von Ihm in irgendeiner Art und Weise schickaniert, da findet man selber schon gar keine Worte mehr für. Es traut sich aber keiner von Ihnen Ihm mal die Stirn zu bieten, aus Angst. Es haben in den vergangenen Jahren schon 2 Azubine die Ausbildung abgebrochen und woanders fortgesetzt, weil sie es nicht mehr ertragen konnten. Ich weiß nun nicht was man da machen soll, beschwerde bei der Ärztekammer, Anzeige ??? Sie hat im Juni ihre Prüfung, dann wäre Ihre Ausbildung beendet. Kann mir da mal jemand einen Rat geben, oder wer hat ähnliches erlebt?“

Nicht einmal die Anwaltskammer ist in der Lage eine vernünftige Internetseite für Betroffene bereitzustellen, grausam aber wahr. Doch im Abzocken von Kohle sind diese Damen udn Herren gerade bei den Arbeitsgerichten oft die besten Helfer der Täter.

http://www.gutefrage.net/frage/auszubildende-wird-vom-chef-gemobbt-und-sexuell-belaestigt

Gibt es ein System-Mobbing bei der Berliner Polizei?

17. Februar 2010

Angst

Aus Hessen kennen wir das System-Mobbing im Umfeld der Regierung Koch. (1) Und wir kennen noch den Fall der „jungen Polizeibeamtin aus München“, deren Mobbingfall mit Suizid in dem Film: Der Tod ist kein Beweis aufzeigt, was mit Mobbing-Opfern geschieht, wenn nicht gegen Täter vorgegangen wird. (2)

Nun hat sich ein am 09.02.2010 in Berlin-Mitte auf einer Polizeiwache ein 49-jähriger Polizeihauptkommissar das Leben genommen. (3) Tage zuvor hat sich ein Kollege von ihm ebenfalls selbst erschossen. Zwei Fälle die zeigen, etwas kann hier nicht stimmen, da riecht es doch förmlich nach Mobbing.

Und schau an, beim Studium der Pressebericht zu den beiden Suiziden der Polizisten stellt sich heraus, dass bei ihrem Chef schon mal zwei Polizistinnen sich das Leben genommen haben. Bianca Müller war wohl die Bekannteste von ihnen, weil sie sich vehement gegen Mobbing gewehrt hat und aufgrund ihrer Intersexualität Berühmtheit erlangt hat. Geschützt hat sie das aber vor Mobbingattacken nicht. (3)

Dabei hat Bianca sich im Falle des Selbstmordes einen Kollegen von ihr, das wäre dann noch ein weiteres Opfer in der Liste der Berliner Polizei, für die Aufklärung der Hintergründe stark gemacht.

Wir blicken auf das Jahr 2000 und was die Presse dazu schrieb. „Der 50- Jährige habe sich unmittelbar nach seinem Dienst am 3. November (2000) umgebracht, sagte die Sprecherin der Organisation, Bianca Müller, am Donnerstag in Berlin. Die Berliner Polizei wies die Vorwürfe zurück. Die Selbsttötung stehe in keinem Zusammenhang mit dienstlichem Mobbing. Wegen Verleumdung sei ein Strafverfahren gegen Müller eingeleitet worden.

Der Polizist arbeitete beim Verkehrskontrolldienst, sagte Müller. Er sei verheiratet gewesen und hinterlasse ein Kind. Ein Abschiedsbrief wurde nicht gefunden. Mitarbeiter der Dienststelle hätten seit August dieses Jahres über Mobbing geklagt, sagte Müller.“ (4)

Die Mobbingvorwürfe wurden von dem damaligen und späteren Innenminister der CDU in Brandenburg, Jörg Schönbohm bestritten. Interessant ist, dass sein Chef derselbe war, der auch als Leiter zuständig war für eine junge Berliner Polizistin, die sich im Juli 1997 das Leben nahm. Bianca Müller, „die Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft zog Parallelen zum Fall einer Berliner Polizistin, die sich im Juli 1997 im bayerischen Straubing das Leben genommen hatte. Die Beamtin arbeitete damals unter demselben Vorgesetzten. Vorwürfen zufolge war sie von Kollegen gemobbt worden“. (3)

Etwa ein Jahr später fand ein Prozess statt, zu dem die BZ schrieb:

„Ließen ihre Vorgesetzten Mobbing-Beweise verschwinden?

Schlimme Vorwürfe gegen zwei leitende Mitarbeiter der Polizei: Schafften sie nach dem Selbstmord der Polizei-Meisterin Stefanie L. vor vier Jahren brisante Unterlagen beiseite? Seit gestern als Angeklagte vor dem Amtsgericht Tiergarten: Peter N., 59, Leiter der Polizeilichen Sozialbetreuung, und seine Vorgesetzte Claudia S., 57, Chefin des Polizeiärztlichen Dienstes. Der Vorwurf: Als der Freitod von Stefanie L. mit dem Verdacht des Mobbings in Verbindung gebracht wurde (BZ berichtete), soll Peter N. mit Zustimmung seiner Vorgesetzten S. Unterlagen der Verstorbenen kurzerhand bei einem Notar deponiert und damit beiseite geschafft haben. Die tragische Geschichte der Stefanie L., die einen Kollegen angezeigt hatte und danach angeblich als Nestbeschmutzerin gemobbt wurde – sie spitzte sich im April 1997 dramatisch zu. Wegen eines angeblichen Suizid-Versuchs stürmte ein SEK-Kommando ihre Wohnung. Danach bekam Peter N. den Umschlag. Darin: ein langer Liebesbrief von Stefanie L. an ihren Dienststellenleiter. Und brisante Unterlagen über Dienstvergehen bei der Kriminalpolizei. Peter N. zum Richter: „Der Brief war der Hilferuf einer Person in großer Krise mit Krankheitswert.“ (5)

Frauen haben es wohl im Polizeidienst besonders schwer, das musste auch Sylvia Braun erfahren, die sich am 14.Februar 1999 erschießt. „Polizistinnen in den Selbstmord getrieben – Sexuelle Belästigung und Mobbing in Uniform. Am 14. Februar 1999 hat erschießt sich die 22 jährige Polizeibeamtin Sylvia Braun mit ihrer Dienstwaffe. Der Grund: Mobbing. Sie fühlte sich von ihrem Dienstgruppenleiter gemobbt, gedemütigt und sexuell belästigt.

>>Ich kann mir nicht mehr anders helfen. Ich traue mich nicht mehr nach München, ich habe keine Lust mehr, mich von denen quälen zu lassen.<<  Schrieb die junge Frau, die nicht mal die Polizei zu Hilfe rufen konnte – denn ihre Peiniger waren Polizisten. Und die Frau in Not ihre Kollegin. Mobbing und Menschenverachtung gegenüber Frauen ganz normal im Arbeitsalltag von Männern in Uniform? Tina Solimann berichtet.  
Alarm bei der Polizei – Täter und Opfer kommen aus den eigenen Reihen.
Am 14. Februar dieses Jahres lenkt die 22jährige Silvia Braun ihren Dienst-BMW auf einen Autobahnparkplatz an der A8 bei Augsburg und schießt sich mit ihrer Dienstwaffe die tödliche Kugel in den Kopf.
4 Jahre lang war die Polizeiobermeisterin begeistert von ihrem Traumberuf, hatte Bestnoten, war bei den Kollegen beliebt, bis sie im Dezember vergangenen Jahres auf die Münchner Politzeiinspektion 14 versetzt wurde. Der Traumberuf wurde zum Alptraum. Silvia Braun fühlte sich von ihrem Dienstgruppenleiter gemobbt, gedemütigt und sexuell belästigt. (6)

Und was das heißt, gemobbt und sexuell belästigt zu werden, davon berichtet Birgit Wiese, acht Jahre lang bei der Berliner Polizei und 30 Jahre alt zum Zeitpunkt des Interviews, 1997.

>>„Ich hatte ganz gute Laune, stieg auf diesen Wagen, und ich wurde dann von einem Kollegen gefragt: Mensch, du strahlst ja so, Mensch, hat dich heute nacht dein Alter ganz gut gebumst?
… dann haben die Männer angefangen sexuelle Übergriffe in meine Richtung zu machen, also mal an die Brust fassen, mal an den Hintern fassen.“
„… ich habe also auf dieser Einsatzbereitschaft geschlafen, hatte dort also ein Bett, da haben nachts drei Männer bei mir im Raum gestanden , die dann meinten, ich könne jetzt ja aufstehen, sie wollten jetzt ein bißchen Spaß mit mir haben, und ich hab daraufhin, weil ich richtig Angst hatte, den Rest der Zeit mit der geladenen Pistole unter dem Kopfkissen geschlafen“.

Die Schikanen werden immer massiver – der Traumberuf wird zum Alptraum.
Birgit „Also mir ist es so gegangen, daß ich irgendwann Träume bekommen habe, und in diesen Träumen konnte ich nichts Anderes träumen, als daß ich oben in die Waffenkammer gegangen bin, mir eine Waffe geholt habe und daß ich in diesem Traum mit dieser Waffe meine ganzen männlichen Kollegen erschossen habe.“

 Birgit „Ich hörte auf einmal ganz lautes Gejohle und Geklatsche. Ich drehte mich um, und da stand dann dieser Mitausbilder mit herabgelassener Hose vor mir in der Tür.“
„Ich bin knallrot geworden, da kann ich mich noch dran erinnern.“
„Und ich hatte also das Gefühl, für mich bricht eine Welt zusammen. Ich habe mich wahnsinnig gedemütigt gefühlt und unglaublich beleidigt, das kann kein Mensch nachvollziehen, was das bedeutet, sich in so einer Situation zu befinden.“
„… dieses Ereignis hat bei mir soviel ausgelöst, daß ich gedacht habe, jetzt holst Du dir eine Knarre, hälst sie dir an den Kopf und bringst dich um.“
„… für mich war das einfach nicht mehr auszuhalten.“.(7)

Arbeitsbedingungen, die nicht nur Birgit oder Silvia zum Verhängnis wurden, sondern auch zwei weiteren jungen Frauen im Polizeidienst.

„Silvia Braun war erst 22 Jahre alt als sie sich …. erschoss. Einen Monat später setzte sich die 20-jährige Polizeibeamtin Nina Dreisbach aus Neuss (8) die Dienstwaffe an den Kopf und drückte ab. Auch die Polizistin Alexandra Richter hat sich erschossen. Drei junge Polizistinnen, die keinen anderen Ausweg sahen, mit Mobbing und sexueller Belästigung fertig zu werden.
Notrufe aus Deutschlands Polizeistuben – bis heute nicht gehört“(6)

Doch zurück zu den aktuellen Mobbingfällen in Berlin, die trotz der Präventionsmaßnahmen, die 1997 bis 1999 durch den Senat und Polizeipräsidenten nicht verhindert werden konnten. Hat man das Konzept zu wenig auf alle Polizisten abgestimmt?

Hier nochmals aus der Historie das Konzept einer Fachhochschule. „Die Berliner Polizei hat in Folge der Vorwürfe von zunehmenden Fallzahlen die Präventionsmaßnahmen gegen Mobbing verstärkt. Im vergangenen Jahr führte die Landespolizeischule insgesamt 168 Veranstaltungen durch. Rund 2300 Polizeibeamte nahmen an den Schulungen teil.

Gegenwärtig wird an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege ein dreisemestriges Projekt zum Thema Mobbing erarbeitet, das, von Polizeipräsident Saberschinsky ausdrücklich unterstützt, auch Befragungen in der Polizei vorsieht“. (9)

„Die Kommission musste zu Beginn ihrer Arbeit klären, welche Definition von Mobbing zum

Tragen kommen sollte. Sie beschäftigte sich daher zu Beginn ihrer Tätigkeit vor allem mit der inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Begriff Mobbing. Es bestand Einigkeit, den Begriff Mobbing nicht unqualifiziert auf eine Vielzahl von Konflikten anzuwenden.

Insbesondere die eher statische Sicht von LEYMANN und die dynamische Sicht von NEUBERGER wurden ausführlich diskutiert, erörtert und miteinander verknüpft“. (10)

Im Fall der beiden Suizide der Polizisten vom Polizeiabschnitt 35 in der Oudenarder Straße in Wedding hat das Konzept wohl nicht gegriffen. Man darf aber auch an einer sachlichen Aufklärung Zweifel anmelden, wenn man den Prozess im Fall Stefanie L. (5) analysiert. Und wenn man zu einem Artikel googelt, der da heißt „Mobbing-Vorwürfe in einer Einsatzhundertschaft – Ermittlungen“.... und dann ist Schluss. (11)

Mit Aufklärung und Prävention hat das wohl nicht zu tun, oder? Was stand nun in dem Artikel und ist die Einsatzbereitschaft etwa im Wedding gewesen? Fragen über Fragen, wenn man sich die hohe Anzahl von Suiziden bei der Berliner Polizei ansieht. Wer will da was verbergen?

Und im Nachtrag noch so ein Fall im Umfeld des Berliner Sicherheitsbetriebes. „Ein deutscher Wachmann hat sich in der US-Botschaft das Leben genommen. Die Motive sind unklar“. (11)

Nach der Durchsicht und der Zusammenstellung der Artikel für diesen Aufsatz geht es mir auch nicht mehr so gut. Ich weiß nicht, ich werde den Eindruck nicht los, dass man bei uns in Deutschland wohl Täter sein muss, um leben zu können. Als Opfer bist du insbesondere bei Mobbing eigentlich schon tot, egal ob du die Tortour überlebst oder dir eine Kugel verpasst.

1) https://dieaktuelleantimobbingrundschau.wordpress.com/2010/01/27/system-mobbing-bei-der-hessischen-polizei/

2) http://forum.mobbing-gegner.de/hier-wird-gemobbt/polizei-workplace-violence-t841.html

http://www.onlinezeitung24.de/article/1022

3) https://dieaktuelleantimobbingrundschau.wordpress.com/2010/02/15/mobbing-und-selbstmordserie-bei-der-berliner-polizei/

4) http://www.rp-online.de/panorama/Vorwurf-gegen-Berliner-Polizei-Selbstmord-nach-Mobbing_aid_277178.html

5)http://www.bz-berlin.de/archiv/nach-dem-selbstmord-einer-jungen-polizistin-article26628.html

6) http://www.rbb-online.de/kontraste/beitrag/1999/polizistinnen_in_den.html

http://weltderwunder.de.msn.com/jobxl-article.aspx?cp-documentid=149937440

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14443366.html

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2000/1006/lokales/0063/index.html

7) http://www.rbb-online.de/kontraste/beitrag/1997/dein_kollege_dein.html

8) http://www.ngz-online.de/rhein-kreis_neuss/nachrichten/Freitod-einer-Polizistin-Kollege-erneut-vor-Gericht_aid_204945.html

9)http://www.welt.de/print-welt/article584722/Stabsstelle_der_Polizei_fuer_Mobbing_Opfer.html

10)http://www.berlin.de/imperia/md/content/lb-lkbgg/bfg/nummer29/18_mollenhauer.pdf?start&ts=1258977132&file=18_mollenhauer.pdf

11)http://www.google.de/webhp?sourceid=navclient&ie=UTF-8#hl=de&q=mobbing+berliner+polizei&meta=&aq=f&oq=mobbing+berliner+polizei&fp=80bad1b1bd6afe37

12) http://www.bz-berlin.de/aktuell/berlin/selbstmord-in-us-botschaft-article436681.html

Das „System-Mobbing“ oder wie arbeitet der hessische Archipel Gulag

27. Januar 2010

Das System Mobbing

Hier nun der zweite Teil des Artikels von Wolf Wetzel zum „Archipel Gulag“ in Hessen und dem Umfeld, wobei sich hier mehr und mehr ein System abzeichnet, dass die „Unions-Combo-Koch“ am besten im Augenblick in Deutschland beherrscht, nämlich das „System-Mobbing“.

Die Steuerfahnderaffaire – Was tut sich dahinter auf? Teil II, oder Die Sonnnenseite des Systems „Archipel Gulag“ 

Belohnen …

Auch wenn es im Vergleich zu den vorangegangenen Entscheidungen ›Peanuts‹ sind, sollten sie hier nicht unerwähnt bleiben. Denn wer sich für ›Don Roland‹ verdient gemacht hatte, sollte fürstlich belohnt werden.

z.B. Ex-Steuerfahnder Wolfgang Schad

Der Steuerfahnder Wolfgang Schad gehörte zu jenen über 45 Steuerfahndern, die sich im Sommer 2003 bei einer Zusammenkunft mit den vier kaltgestellten Kollegen solidarisierten und dort eine Petition an den hessischen Landtag verabschiedet hatten. Als Präsident des hessischen Leichtathletikverbandes organisierte er für dieses Treffen sogar einen Raum.

Als im parlamentarischen Untersuchungsausschuss/PUA beschlossen wurde, zwei Steuerfahnder zu befragen, gehörte auch Wolfgang Schad dazu. Kurz vor seiner Anhörung wurde er »ins Finanzministerium geladen: zum Abteilungsleiter 1, Mario VITTORIO, der später Oberfinanzpräsident werden wird«. Der Inhalt dieses Gespräches blieb logischerweise geheim, doch lässt sich der Kern des Besprochenen anhand der folgenden Ereignisse ›rekonstruieren‹. Als Wolfgang Schad am 22.6.2005 vor dem Untersuchungsausschuss gehört werden sollte, bestand er darauf, nur in einer nicht-öffentlichen Sitzung Auskunft geben zu wollen. Die Sitzung wurde daraufhin abgebrochen und als ›nicht-öffentliche‹ fortgesetzt.

»Tags darauf wird er von seinen Kollegen im Büro daraufhin angesprochen, dass er im PUA offenbar nicht die Wahrheit gesagt hat. SCHAD gibt zu, dass er einen ›Blackout‹ hatte, sich nicht an die Dinge erinnern konnte, die er z.B. eigenhändig bei der Petition an den Landtag mit unterschrieben hatte.«

Dieser ›Blackout‹ löste nicht nur einen wichtigen Zeugen für die in der Petition gemachten Vorwürfe in Luft auf. Dieser ›Blackout‹ wurde zudem wohlwollend honoriert: Was Wolfgang Schad bislang als Hobby betrieben hatte, wurde nun zu seinem neuen Beruf: »Er wird zum Regierungsoberrat (RoR) befördert und arbeitet nun im Hessischen Innenministerium: im Referat VI. Zuständigkeit dieses Referats: ›Sport‹ und ›Sportförderung‹.«

z.B. die Container-Rebellin Carmen Everts (SPD)

Es dauerte eine Weile, bis man alle Weichen gestellt hatte, um eine der vier ›Rebellen‹ gut dotiert im Regierungslager unterzukriegen. Nach Prüfung verschiedener Optionen entschied man sich, die SPD-Abweichlerin Carmen Everts in der Landeszentrale für politische Bildung unterzubringen. Das war nicht einfach, denn man musste erst ein Arbeitsfeld erfinden, für das die wissenschaftlichen Kompetenzen Carmen Everts überhaupt reichten. Als hätten die Marx-Brothers Pate gestanden, nahm man sich in der Folge das bestehende Referat ›Demografie‹ und machte daraus das Referat: ›Extremismus, Diktaturen und Demografie‹. So stümper- und tölpelhaft sich das anhört, so dreist ging es weiter. Im Gegensatz zu allen anderen Referatsleiterstellen wurde ausgerechnet diese mit der Vergütungsklasse eines stellvertretenden Leiters der Landeszentrale versehen.

 

Combo-Chef-Koch

z.B. der Betriebsratsvorsitzenden der FRAPORT Peter Wichtel

Zu den Gewinnern darf man auch den oft zitierten Betriebsratsvorsitzenden der FRAPORT Peter Wichtel nennen. Als ›Mann auf der anderen Seite‹ kämpfte er für die Durchsetzung der FRAPORT-Ausbaupläne, in der Doppel-Rolle als Arbeitnehmervertreter und Aufsichtsratsmitglied. Er war in allen Belangen FRAPORT’s Darling, ein Goldstück: Auf einer Sondersitzung des Aufsichtsrats der FRAPORT am 31.10.2008 wurde mit seiner Enthaltung die Forderung der zukünftigen Landesregierung nach Aussetzung des Sofortvollzugs abgelehnt, mit hohen Schadensersatzforderungen gedroht, und die Rechtmäßigkeit des Koalitionsvertrages bestritten.

So erklärt sich auch, dass Peter Wichtel während der Wortbruchkampagne an vorderster Front gegen eine mögliche SPD-Regierung kämpfte, was für die Kampagne der Bosse eminent wichtig war: Mit seinem Namen sollte der Eindruck vermittelt werden, auch die Arbeitnehmer und Lohnabhängigen stünden aufseiten des Flughafen-Kartells. Dass er bereits zu dieser Zeit im CDU-Landesvorstand saß und Mitglied der CdA war, erwähnte man tunlichst nicht.

Die erste Belohnung ließ nicht lange auf sich warten: Als erster ›Arbeitnehmervertreter‹ wurde ihm 2008 der Preis ›Soziale Marktwirtschaft‹ der Konrad Adenauer Stiftung verliehen.

2009 folgte dann die politische Belohnung: Er wurde Nachfolger des langjährigen CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Klaus Lippold aus Offenbach und im Oktober desselben Jahres mit einem Direktmandat in den Bundestag katapultiert.

 

Out of control

Combo-Koch & Co

Im Gegensatz zu einer Diktatur oder einem totalitären Regime zeichnet sich ein Rechtsstaat durch Gewaltenteilung und institutionelle Kontrollen aus: Das fängt beim Beschwerderecht in Verwaltungen an, reicht von der Dienstaufsicht übergeordneter Dienststellen (Oberfinanzverwaltung/Finanzministerium), von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, Möglichkeiten der parlamentarischen Opposition, einen Untersuchungsausschuss einzurichten, bis hin zur ›vierten Gewalt‹, der Presse, Vorwürfe von Rechtsbeugung und Amtsmissbrauch öffentlich zu machen bzw. Opfern von Machtmissbrauch Gehör zu verschaffen…

Angesichts der bisher vorliegenden Fakten und aufgrund des langen Zeittraumes lässt sich ein Resümee ziehen.

Ganze sieben Jahre dauerte es, bis das System Archipel Gulag überhaupt an die breite Öffentlichkeit gelangte, dank einer Reportage des Magazin ›Stern‹ (Nr. 51) vom 11.12.2008 unter dem Titel: ›Eiskalt abserviert‹. Danach wurde es wieder recht still. Erst als absehbar war, dass das Verwaltungsgericht in Gießen die Psychiatrisierung von vier Steuerfahndern für rechtwidrig erklären wird, griff die Frankfurter Rundschau diesen Fall auf. In einer Serie von Artikeln legte die FR Dokumente, Fakten und Verstrickungen offen, die bis dahin nur über Mikro-Blogs zugänglich waren, wie z.B. auf dem Internet-Blog des ›Dokumentationszentrum Couragierte Recherchen und Reportagen‹.

Seitdem ist zumindest in Teilen der Öffentlichkeit klar, dass es sich bei der Psychiatrisierung von lästigen Steuerfahndern nicht um einen Einzelfall, nicht um eine Übertreibung einzelner Dienstvorgesetzter oder Verselbstständigung einzelner Bereiche des institutionellen Machtgefüges handelt, sondern um ein System, das nicht nur minutiös die Ausschaltung von Steuerfahndern betrieb, sondern gleichermaßen alle Kontrollinstanzen ausschaltete bzw. in den Machtapparat einfügte.

Angst

Auch wenn die politische Legitimation der hessischen Landesregierung angegriffen ist: Das Kartell, das sich in der Wortbruchkampagne so hervorragend bewährt hatte, hält zusammen.

Während der Kassiererin ›Emmely‹ wegen angeblicher Bereicherung in (schwindelerregender) Höhe von 1.30 Euro fristlos gekündigt wurde, stellt sich das gesamte Führungspersonal der hessischen Landesregierung einen Persilschein aus: Ob Finanzamtsvorsteher, Oberfinanzdirektor, Gesundheitsminister, Finanzminister oder Ministerpräsident … sie haben sich nichts vorzuwerfen und lassen den Rest wissen, dass sie in aller Gelassenheit alles Weitere auf sich zukommen lassen werden. Nicht anders reagieren die Regierungsmedien: Völlig frei von allen Skrupeln spricht die FAZ bis heute von »politischem Sommertheater«, von »Spekulationen«, und »einseitig bis diffamierende(r) Berichterstattung über die Zustände bei der Steuerfahndung«.

Die Frankfurter Neue Presse/FNP setzte diesem Verschleierungsjournalismus noch die Krone auf, als sie am 5.1.2010 von einem zur »›Steuerfahnder-Affäre‹ hochstilisierten Scharmützel« sprach und allen Ernstes eine »bislang noch nicht erlebte(n) Skandalisierungskampagne« beobachtet haben will, die sich aus »angeblich neue(n) Enthüllungen«, bis hin zur »inszenierten Empörung« speist.

Finanzielle Existenzvernichtung

Bei allem Wahnsinn, den die FNP umtreibt, behält sie dennoch ein Gespür für die eigentliche Gefahr: »Dabei ist Karlheinz Weimar doch nur ein Symbol für das ›System Koch‹, das das eigentliche Ziel der inszenierten Empörung ist. Den neben Innenminister Volker Bouffier dienstältesten Vertrauten des Regierungschefs anzugreifen, ist nämlich gleichzeitig eine Attacke auf den Regierungschef selbst, vor allem auf dessen politische Autorität.«

Soviel Weitsicht wünscht man sich vor allem aufseiten jedweder Opposition!

Die FRAPORT-Regierung – ein systemisches Risiko

Man kann der FNP nur zustimmen: Es geht weder um Einzelfälle, noch um einzelne Verantwortliche aus der Führungsriege der hessischen Landesregierung. Was die Steuerfahnder exemplarisch aufzudecken bereit waren, ist ein System, das jenseits von Parlamenten, Wählerwillen, Gesetz und Strafverfolgung agiert und regiert. Wie durch ein Bullauge eines Kreuzfahrtschiffes konnten die Steuerfahnder der ›Bankengruppe‹ etwas sehen, was sich unterhalb der Wasseroberfläche bewegt: Ein kriminelles Kartell aus politischen Eliten und Großunternehmen, die mit Milliarden-Beträgen Macht ausüben und Einfluss kaufen, Öffentlichkeit generieren und Märkte erobern, Gesetze (ab-)schaffen und rechtsfreie Zonen einrichten. Nicht die Verfolgung von Steuerhinterziehung im Einzelfall hat der ›Bankengruppe‹ den Kopf gekostet, sondern das hartnäckige Verlangen der (Steuer-)Fahnder, in diese verbotene Zone einzudringen.

Das System der Angst und Ohnmacht

Das System ›Archipel Gulag‹ gilt nicht nur für lästige Steuerfahnder, sondern für alle, die ihre bescheidenen Rechte in Anspruch nehmen und eben nicht klein beigeben. Was die vier Steuerfahnder erlebt haben, lässt sich an zahlreichen Beispielen von Betriebsräten und Lohnabhängigen durchbuchstabieren, die erpresst, gemobbt, eingeschüchtert und kaltgestellt wurden. Exempel werden an Wenigen exekutiert, das Regime der Angst gilt allen.

Zu was wäre diese Regierung bereit, wenn nicht vier, sondern Hunderte Staatsdiener sagen würden: Wir machen nicht mehr mit! Zu was wären Unternehmen bereit, wenn nicht ein paar Wenige, sondern Zehntausende der Erpressung widerstehen würden, gefeuert zu werden, wenn sie nicht zu mehr Arbeit für weniger Lohn und noch mehr Duldsamkeit bereit sind?

Die vier Steuerfahnder gehören zu den Wenigen, die sich nicht mundtot machen ließen, die seit über acht Jahren dafür kämpfen, dass nicht sie gefeuert werden, sondern alle jene, die das System ›Archipel Gulag‹ mitgetragen, vollstreckt und zu verantworten haben.

Wenn Solidarität keine rhetorische Floskel sein soll, dann ist sie jetzt bitter nötig, von  Wolf Wetzel,  19.1.2010,

Autor der dokumentarischen Erzählung ›Tödliche Schüsse‹, Unrast Verlag 2008.

Gekürzte Fassung erschienen unter:

Das Imperium schlägt zurück, Publik-Forum/Zeitung kritischer Christen: Nr.1 – 2010 – vom 15.1.2010, S. 18

Wenn man eine Wahl verliert, aber nicht die Macht, Telepolis vom 181.2010

NachDenkSeiten/Die kritische Webseite, Beitrag Nr. 4471 vom 22.1.2010, Hessenkrimi

Weitere Dokumente und Texte finden sich unter: http://wolfwetzel.wordpress.com

Der Beitrag die Sonnenseite des Archipel Gulags zeigt auf, wie man jenseits der „Wellness-Zentren“ Parlamente mächtige informelle Strukturen schafft, mit denen man unliebsame Bürger fertig macht, Mitarbeiter schikaniert und Zeugen gefügig macht. Der Fall der Steuerfahnder aus Frankfurt ist nur die Spitze eines Eisberges und Hinweis darauf, wie tief Instrumente wie Gefälligkeitsgutachten, Containerarbeitsplätze, Beförderung von Zeugen  die einen Blackout zu einer wichtigen Zeugenbefragung bekommen und Aufstieg in der Hierarchie wie die des  Mario VITTORIO.

Und wenn man dann noch andere  Skandale wie die der  Container-Rebellin Carmen Everts (SPD) im Mobbingfall Ypsilanti hinzunimmt, genauso wie die des Betriebsratsvorsitzenden der FRAPORT Peter Wichtel oder jetzt die der Mobbing-Beschwerden bei der hessischen Polizei, dann versteht man mehr und mehr das CDU-Mobbing-System Koch. Der ZDF- Chefredakteur Nikolaus Brender musste gehen, weil er „Koch wie auch Ex-CSU-Chef Edmund Stoiber die Unabhängigkeit Brenders auf die Nerven ging“.(2)

Auf die Nerven gehen heißt, seine Arbeit als Redakteur zu machen, sich von Politikern nicht unter Druck setzen zu lassen und die Öffentlichkeit über Hintergründe zu informieren. So was passt Politiker mit der Moral eines Stoibers (CSU) genauso wenig wie die eines Kochs (CDU) oder Schröders (SPD).

„Beim Mainzer Sender verschaffte sich Brender von Anfang an Respekt, weil er sich parteipolitischen Einflussversuchen konsequent widersetzte. Nicht allen Politikern gefiel so viel Unabhängigkeit. Nach der Wahlniederlage von Edmund Stoiber als Kanzlerkandidat 2002 erhob die CSU die Forderung, Brenders Vertrag dürfe nicht verlängert werden. Und nach der Wahlniederlage der SPD 2005 musste Brender in der „Berliner Runde“ einem aufbrausenden Kanzler Gerhard Schröder entgegentreten, der den Medien eine gegen ihn gerichtete Kampagne unterstellte“.(2)

Und wenn sich auch leise Solidarität für ein Opfer wie Brender entwickelt oder gar Kritik von Experten kommt, im Sonnensystem Archipel Gulag eines Herrn Koch wird einfach fertig gemacht und weiter gemobbt. Das Motto heißt hier wie im Mittelalter bei der Hexenverbrennung oder im alten Rom, wenn Brot und Spiele das Publikum von gesellschaftlichen Problemen ablenken sollte, das nächste Opfer bitte.

„Eine Missachtung der Rundfunkfreiheit“ stellten Staatsrechtler bei der Entscheidung im Fall Brender scharf fest. Genützt hat es dem Opfer nichts, außer dass die Täter sagen können, was wollt ihr denn, die Presse darf doch schreiben was sie will. 35 Staatsrechtslehrern hatte Brender unterstützt und auch viele Journalisten verstanden die Zeichen der Zeit richtig, als sie sich gegen die Mobbing- Unions-Combo um Roland Koch kritisch wehrten. Sie warnten vor einer Verletzung der europäischen Pressfreiheitscharta.

Genützt hat das dem Opfer Bender genauso wenig wie den Millionen von Mobbingopfern die Tatsache, dass unser Grundgesetz die Würde des Menschen und seine Gesundheit schützt, auch die psychische Gesundheit ist damit gemeint. Mobbing ist heute land auf oder land ab die Strategie Bürger, Mitarbeiter und unliebsame Demokraten finanziell, beruflich und gesundheitlich fertig zu machen, das genügt fast immer, um die Opfer zu schweigen zu bringen. Aber eben nicht immer, wie im Fall der Fankfurter Steuerfahnder, oder Detlef Lengsfeld, Rainer Beutler, Simon D., Arthur K., „Große Ameise“, Milan Petrovic, Sedika Weingärtner, Emmely, und … und … und …, eine Listen die 100te von Namen hat. Nur wo bleibt die Unterstützung für die Opfer durch die Medien und gesellschaftlichen Organisationen wie DGB, IGM und ver.di?

(Letzte Änderung am 30.12.2014)

1)  http://www.webnews.de/kommentare/593145/0/Die-Steuerfahnderaffaire-Was-tut-sich-dahinter-auf-Teil-II.html

2) http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,663847,00.html

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,662937,00.html

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,662565,00.html

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,662553,00.html

http://www.spiegel.de/thema/hans_herbert_von_arnim/