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Turmspringer Tom Daley, eine Symbolfigur für den Kampf gegen Schulmobbing

29. Juli 2012
Tom Daley

Tom Daley

Olympia scheint langsam wieder zu seinen Wurzlen zurückzufinden. Während unser Bundespräsident Gauck einen auf „Keep Smiling“ und Bla Bla macht, die deutschen Medien nur einen Medaillenkrieg zwischen China und den USA sehen, haben die Engländer ihre Augen geöffnet.

Der neue Star, wenn man so sagen darf, ist Tom Daley, ein Mobbing-Opfer. „British diver Tom Daley goes from bullying victim to Olympic sex symbol, medal favorite“. (1)

Tom hat alles hinter sich, was Mobbing-Opfer so an Schulen ertragen müssen. „Beim Mobbing unter Schülern sieht man vor dem inneren Auge den Schwächsten, den stillen, blassen Jungen, tollpatschig im Sport. Doch hat es seine traurige Logik, dass Neid und Bosheit auch den Besten, Beliebtesten treffen können“. (2)

Was war geschehen. Tom war bei den Olympischen Spielen in Peking erfolgreich und war erst 14 Jahre alt. Kaum ein Englander kannte bis dahin ihn, was war schon Turmspringen? Doch seine Täter, die warten zu Hause auf ihn, und ihr Hass und Neid waren noch größer als bei den üblichen Opfer.

„Taucherbaby“, „wir brechen dir die Beine„.(2) Unglaublich was da abging. „Nachdem er als plötzliches Lieblingskind der Nation aus Peking zurückkehrte“ war er fällig. Es „trafen ihn Papierkugeln, Trinkbecher, jeden Tag. Die Taten an sich sind beim Schulmobbing selten schlimm. Die Stigmatisierung zerbricht die Kinder. Tom Daley, der die Schwimmhallen mit kichernden Mädchen füllte, wollte nicht mehr auf den Schulhof. „Ich versuchte, in der Pause irgendwie im Klassenzimmer zu bleiben“. (2)

Wie viele kenn das, und Tom machte das, was wohl alle Opfer zu Anfang falsch gemacht haben, er schwieg dazu. „Er erzählte niemandem von seiner Tortur. Der Vater merkte, dass etwas nicht stimmte“. (2)

Doch irgendwann merkte Tom, das es so nicht weitergehen konnte.  „Als der Sohn ihm schließlich vom Mobbing erzählte, machte der Vater den Fall öffentlich“.(2) Und das war gut so.

„Schulmobbing lebt (nämlich) vom Schweigen. Dass in Daleys Fall alles ans Licht kam, hat hoffentlich andere Kindern ermutigt, über ihr Leiden zu reden“. (2) „Daley selbst hat es nur bedingt geholfen. Er wechselte auf eine Privatschule, um die Gesichter seiner Peiniger hinter sich zu lassen“. (2)

Doch dafür kann Tom nun in London auf ein Millionen Publikum hoffen, ARD und ZDF werden wohl darüber hinweg gehen, denn sonst müssten sie mal wieder über die soziale Seuche „Mobbing“ reden und das mögen die „harten Jungs vom Mikrofon“ nicht so sehr, denn vielen würde dann die Situation an ihrem Arbeitsplatz etwas merkwürdig vorkommen.

Tom auf jeden fall drücken wir die Daumen und seine Autobiografie sollte man auf jeden Fall mal lesen, schaden kann es bestimmt nicht.

„One of Britain’s top medal hopes for the London Olympics is being bullied at school due to his high profile, his parents claim“. (3)

1)http://outsports.com/jocktalkblog/2012/07/09/british-diver-tom-daley-goes-from-bullying-victim-to-olympic-sex-symbol-medal-favorite/

2)http://www.badische-zeitung.de/olympische-spiele/alle-lieben-tom–62103779.html

3)http://www.metro.co.uk/news/632278-olympic-star-tom-daley-taunted-by-school-bullies

 

Mobbing und Lynchen in Deutschland oder wo bleibt die Würde des Opfers

5. April 2012

Wohin?

Man mag es kaum glauben, da musste die 11-jährige Lena sterben weil die Polizei die Selbstanzeige des 18-jährigen Täters in Anwesenheit seines Psychologen im November 2011 wegen  pädophiler Neigungen nicht ernst genommen hat. „Gestern war bekannt geworden, dass sich der mutmaßliche Mörder des Mädchens bereits im November 2011 in Emden selbst angezeigt hatte, weil er Fotos von einem unbekleideten Kind gemacht und kinderpornografisches Material gesammelt habe. Eine geplante Hausdurchsuchung bei dem 18-Jährigen fand nie statt“. (1)

Da wird von der Emder Mordkommission vier Tage nach dem grausamen Mord an der kleinen Lena der Öffentlichkeit ein 17-jähriger als  „Kinderschänder und -mörder“ präsentiert, obwohl dieser in stundenlangen Verhören seine Unschuld beteuert. Haftrichter und insbesondere der Oberbürgermeister von Emden,  Bernd Bornemann sprechen schon von Ermittlungserfolg obwohl der DNA-Test noch fehlt. (2)

Im Internet auf Facebook sammelt sich der Mob und ruft nach der Lynchjustiz, mam trifft sich vor dem Haftgefängnis und fordert „bis tief in die Nacht ……. die Herausgabe des mutmaßlichen Täters. Erst um 4 Uhr rückte der verhinderte Lynchmob wieder ab“, ohne dass die Polizei die etwa 50 selbsternannten Scharfrichter namentlich erfasst hätte.

Dann die Wende, der 17-Jährige wird nach dem Gentest freigelassen, die DNA-Spuren beweisen, er war es nicht. Doch was für eine Freiheit soll das sein. „Sein Name und Fotos von ihm sind auf Facebook“ wohl für immer in Verbindung mit dem „Mord an Lena“ verewigt. Keine Entschuldig des Lynchmobs ist im Internet zu finden, kein Spendenaufruf für ihn, kein Politiker der sich entschuldigt, auch nicht der Bundespräsident Gauck, der die Freiheit doch so liebt.

Nein, für den 17-jährigen, jungen Mann hat die „soziale Hinrichtung“ verheerende Folgen, Freiheit wird für ihn zur Schikane. Die Staatsanwaltschaft will nun wohl gegen den Lynchmob ermitteln, doch was hilft das dem für immer ausgrenzten unschuldigen heute noch 17-Jährigen? Er wird für immer eine Ausgrenzter sein, „ach der ist das“, „war  er nicht welcher“, „das war doch der“, das Tuscheln und Schikanieren wird Tag für Tag für ihn zu bitteren Realität werden. Der Rufmord ist vollbracht, und nun? 

Weder wird der Lynchmob sich ändern, sondern Aufrufe zum Lynchen werden Alltag in Deutschland werden. Noch werden sich die Medien ändern und uns möglichst hautnah und zeitgleich jeden möglichen Kandidaten als Mörder via Flachbildschirm pärsentieren. Behörden werden unter Erfolgdruck jeden möglichen Kandidaten als Täter servieren, der Mob wartet schon, ob im Internet oder über Handy, der demokratische Rechtsstaat löst sich mehr und mehr auf.

„Öffentlichkeit ist kein Wert an sich, es kommt sehr darauf an, warum worüber Öffentlichkeit hergestellt wird. Das Jammern über die Allgegenwart der Netzöffentlichkeit ist nicht nur sinnlos, sondern auch falsch, weil nichts anderes unser Jahrhundert mehr prägt als das Netz. Es verändert die Menschen, nicht nur ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen“. (3)

Und den Mob, der schikaniert und denunziert, bespitzelt, hetzt und Hass predigt, den gab es schon längst vor dem Netz, das netz ist nur eine weitere Möglichekit für den Mob. Mobbing ist deshalb so verbreitet, weil es kein eigenständiger Straftatbestand ist, das hat wohl der Lynchmob von Emden klar gezeigt. Bei Strafe hätte sich dieser Mob nie zusammengerotte, dafür fehlt diesen Menschen der Mut, die Würde und die Zivilcourage, also Werte die unsere Demokratie darstellen.

Für Lena hat sich wenigstens ein Polizeibeamter gefunden, der ein Sonderkonto eröffnet hat, auf dem Geld für die Beerdigung von Lena gesammelt wird. Da wir ein ein armer Exportweltmeister sind, kann der Staat diese Kosten natürlich nicht übernehmen, traurig aber wahr. Und vor dem grausamen Tod von Lena gab es den von Mirco, ebenfalls 11 Jahre alt (4) und und und und ….

1)http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/oldenburg/emden411.html

2)http://www.n-tv.de/panorama/17-Jaehriger-sitzt-in-JVA-Vechta-article5885256.html

3)http://www.sueddeutsche.de/panorama/mordfall-lena-lehren-aus-dem-lynchmob-1.1326578-2

4)https://dieaktuelleantimobbingrundschau.wordpress.com/2011/09/09/mobbing-bis-zum-mord-warum-musste-mirco-sterben/