Posts Tagged ‘Belästigung’

Mobbing kostet ab 1999 die Schweiz jährlich 4 Milliarden Franken

22. Juni 2010

Was ist Mobbing? Nur ein Modewort? Sicherlich nicht, wenn man weiß, das auch in der Schweiz „jährlich 4 Milliarden Franken“ durch Mobbing-Opfer das Sozialsystem belastet wird. Grund genug für Marcus Knill sich nochmals mit Mobbing zu befassen.

Ergebnis: Psychosozialer Stress und Mobbing kann Mitarbeiter wie auch Vorgesetzte lähmen und Kommunikationsprozess ausschalten.(1)

Definition: Eine Belästigung, ein Schikanieren, ein Ausgegrenzt werden, eine Beleidigung oder ein Nichtinformieren allein ist noch kein Mobbing. Nur wenn die aufgezählten belastenden Verhaltensweisen über längere Zeit (mindestens sechs Monate lang) häufig und wiederholt auftreten, ist Mobbing im Spiel. (1)

Fürsorgepflicht 1: Betriebsinterne Anlaufstellen schaffen und bezeichnen

  • Hilfsangebote erarbeiten
  • Weiterbildung und Aufklärung auf allen Ebenen
  • Soziale Kompetenz fördern
  • Kommunikationstraining anbieten
  • Umgang mit Konflikten üben (1)
  • Vorbeugung oder Fürsorgepflicht 2:

  • Beanstandungen ernst nehmen und überprüfen
  • Betroffene könne sich wehren:

  • Stabilisieren und Tagebuch führen lassen sowie Fakten sammeln
  •  
     

    Verbündete suchen

    Psychoterror:

    Permanente Angriffe, Verunglimpfungen, persönliche Diffamierung, Verbreitung von Gerüchten, anonyme Telephonanrufe, Hetz- und Schikanenattacken, Verschwindenlassen von Unterlagen und Computerdaten, wichtige Informationen bewusst zurückhalten, bei wichtigen Entscheiden die Person nicht beiziehen oder sie gezielt isolieren“. (1)

    Antimobbingstrategien

    Alles genau beschreiben und festhalten. (Mobbing – Tagebuch führen) Wer,was, wie, wann? Gab es Auslöser? Verbündete suchen. Mit ihnen zusammen und den gesammelten Fakten die Lage beurteilen.

    Wichtig: Tabuisierung fördert Mobbinghttp://www.rhetorik.ch/Mobbing/Mobbing.html

    Sedika Weingärtner, Managerin bei Siemens wurde 7 Jahre lang gemobbt

    21. Januar 2010

    Aufschrei im Land der Arbeit

    Und auch Managerinnen unterliegen den gleichen „asozialen und brutalen Methoden“ der Mobbing-Täter wie wir alle. Das musste die gebürtige Afghanin Sedika Weingärtner bei Siemens erfahren.

    „Fäkaler und abdominaler Sprachstil: Komplizierte Worte, die Sedika Weingärtner aus Nürnberg häufig in den Mund nimmt. Vornehme Umschreibungen für üble Beschimpfungen an ihrem Arbeitsplatz: Sieben Jahre sei sie dort als Frau und Ausländerin diskriminiert worden“.(1)

    „Aber was ist wirklich vorgefallen in der Siemens-Niederlassung in der Nürnberger Vogelweiherstraße zwischen 2002 und 2009? >>Weil eine andere Frau meinen Job übernehmen sollte, wurde ich von zwei meiner Vorgesetzten systematisch fertig gemacht<<, sagt Weingärtner, die mit dem Nürnberger Kunsthistoriker Helge Weingärtner verheiratet ist. Man habe sie von Besprechungen ausgeschlossen, mit einem alten PC abgespeist, in ein kleines Büro gesetzt und mit übermäßig viel Arbeit eingedeckt. Für Weingärtner Formen von subtiler Gewalt“.(1)

    Und als sie nach einer Babypause an den „Schmuddelplatz“ zurückkommt, geht es erstmal zur Sache, wie das sich bei Managern von Siemens wohl so gehört. „Beschimpft habe man sie, Worte wie Dreck und Schlamperei seien häufiger gefallen“.(1)

    „Ihr Chef – ein unterbelichteter Frauen- und Ausländerhasser“ wurde dann wohl aktiv, als sich  Sedika Weingärtner zu wehren beginnt, wie so oft bei Mobbing-Opfer mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch. Darauf folgte wohl die Kündigung mit Abfindungsangebot. Doch die Managerin wehrt sich und schaltet Anwälte ein.

    „In der Weingärtner-Klageschrift ist die Rede von „Persönlichkeitsrechtsverletzungen in Form von Benachteiligung, Belästigung und Diskriminierung. Klaus Michael Alenfelder hat die Klage aufgesetzt. Er ist Professor für Wirtschaftsrecht und Leiter der Forschungsstelle für Arbeits- und Antidiskriminierungsrecht an der Fachhochschule Nordhessen und hat die Summe berechnet, um die es heute geht“. (2)

    Prècaire

    Ein Problem soll sein, dass „bei Siemens …. Mobbing extrem hart definiert (ist), heißt es bei Arbeitnehmervertretern“. Den Arbeitnehmervertetern sei mal eine Schulung im Land ihres Vostandsvorsitzenden Löscher empfohlen, denn in Österreich ist man schon längst Lichtjahre weiter als bei einem Weltkonzern wie Siemens, der bekanntlich durch seine Korruptionspraktiken weltruhm erlangt hat, trotz Mitbestimmung und IG-Metall. Das würde mir als Arbeitnehmerverteter mal zu denken geben, vielleicht liegt es an der Unfähigkeit der Betriebsräte, dass Mobbing in Deutschland zu einer flächenartigen Seuche geworden ist.(3) 

    In Österreich gibt es jetzt für den öffentlichen Dienst ein Mobbing-Verbot, das gesetzlich geregelt ist und auch Mobbing drin steht. Für die IG-Metall mal ein Musterfall, sich an die Spitze der Antimobbingbewegung zu stellen, als dauernd irgendwelche Konzernparolen affenartig nachzubeten.

    Erinnert sei hier nur an den Fall Patta, IG-Metall Wolfsburg, Autostadt und Detlef Lengsfeld, bekanntestes Mobbing-Opfer der Autostadt und von der IG-Metall sträflich im Stich gelassen wie es auch Rainer Beutler, Milan Petrovic und so vielen anderen Mobbingopfern bei VW erging.

    Man kann im Fall Sedika Weingärtner nur hoffen, dass ihre Ausdauer belohnt wird und für uns Mobbing-Opfer ein Breakpoint gesetzt wird, wenn es um den Schadensersatz geht. „Das Verfahren besteht aus drei Teilen: Weingärtner wehrt sich gegen die Kündigung. Sie will ihr Gehalt nachgezahlt bekommen. Und sie will eine Entschädigung von «nicht weniger als 1,3 Millionen Euro». Das summiert sich auf etwa zwei Millionen. Der Erfolg ist offen. Das Gericht unter Vorsitz von Armin Frölich will, dass beide Seiten bis Mitte März noch einmal eine gütliche Einigung versuchen“.(4)

    November 2013, Sedika Weingärtner hat nun endlich ihren Prozess gewonnen und erhält ihren Arbeitsplatz wieder, auch wenn das manchen Journalsiten nicht gefällt. Wir gratulieren jedenfalls und wünschen Frau Weingärtner eine mobbingfreie Zukunft. (5)

    1)http://www.webnews.de/http://www.abendzeitung.de/nuernberg/lokales/160455

    2)http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/mit-fuessen-getreten/

    3)http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/495970

    4)http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=1158555&kat=3

    5) http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/siemens-muss-angebliches-mobbing-opfer-weiterbeschaeftigen-a-932436.html 

    http://www.merkur-online.de/aktuelles/bayern/mobbingklage-siemens-managerin-bleibt-3207724.html 

     

    Der Amoklauf des US-Major und Mobbingopfers Nidal Malik Hasan

    7. November 2009

    Auch heute gibt es sehr unterschiedliche Informationen zu den Beweggründen, warum der 39 jährige US-Bürger und Moslem Nidal Malik Hasan 13 seiner Kameraden erschossen und mehrere Duzend verletzt hat. Dabei ist auffällig, wie die deutsche Presse im Gegensatz zur ausländischen mit den möglichen Motiven des Amokläufers umgeht.

    Der zurzeit beste journalistische Beitrag ist in der NZZ erschienen. >> Eine weitere Belastung für Hasan war offenbar, schon weiter zurückliegend, Mobbing in der Truppe: «Er war betroffen von Belästigung (harassment) durch einige seiner Militär-Kollegen», sagt der Cousin. Er habe deswegen einen Anwalt genommen und versucht, ganz von der Armee loszukommen. Er habe alles versucht, aus dieser Lage herauszukommen – offenbar erfolglos„. (1) Die Prozessunterlagen und Stellungnahme des Anwaltes dürfte von erheblichem Interesse sein, auch warum die US-Armee mit Mobbing-Opfern nicht umzugehen weiß, was sich wohl nach dem Amoklauf ändern dürfte.

    Der Schrei

    Der Schrei

    >> Offenbar fürchtete Hasan eine Versetzung in den Irak oder nach Afghanistan nicht darum besonders, weil er ein Muslim war. Der Cousin erwähnt ein solches Motiv jedenfalls nicht. Vielmehr unterstreicht er, dass Hasan in den USA geboren wurde, und dass schon seine beiden Eltern Amerikaner waren. Er sei gleich nach der High School zur Armee gegangen. «Er war ein guter Amerikaner», sagt der Cousin – in der Vergangenheitsform.<< Offensichtlich ist der Amokläufer schon für Tod erklärt worden, niemand in den USA wird sich für seinen Geschichte mehr interessieren. (1)

    >> Der mutmaßlich bisher blutigste Amoklauf auf einem US-Stützpunkt löste im ganzen Land Entsetzen aus. US-Präsident Barack Obama sprach von einem „schrecklichen Gewaltausbruch“ und drückte den Angehörigen sein Beileid aus. Es sei schwierig genug, dass US-Soldaten bei Kämpfen im Ausland ums Leben kämen. „Es ist schrecklich, dass sie hier auf einem Stützpunkt auf amerikanischem Boden unter Beschuss kommen“, sagte Obama. <<(2)  Solche Artikel, wie der im Hamburger Abendblatt sind typsich für die deutsche Hofberichterstattung vieler Journalisten bei uns, denn Fragen werden nicht gestellt oder Widersprüche aufgezeigt. Und auch Obama unterlässt es wohl, eine sachliche und fundierte Aufklärung zu fordern, was man als Enttäuschung bezeichnen kann, wenn man bedenkt, dass der US-Präsident Anwalt war.

    >>Noch am Abend der Tat meldet sich beim Nachrichtensender Fox News Hasans Vetter Nadar zu Wort, zeigt sich im Namen der erweiterten Familie – die Eltern Hasans sind beide vor Jahren verstorben – „bestürzt und traurig“ über die Bluttat. Hasan sei „ein guter Amerikaner“, sagt Nadar, der Cousin habe seit Jahren vergeblich versucht, wegen fortgesetzter Beschimpfungen durch Kameraden wegen seines muslimischen Glaubens die vorzeitige Entlassung aus dem Heer zu erreichen. Vom Imam Faisal Khan an der Moschee in Silver Spring nahe Washington, die Hasan während seiner Zeit am Walter-Reed-Hospital frequentierte, ist zu erfahren, Hasan habe oft mit ihm über den Wunsch gesprochen, eine Frau zu finden und eine Familie zu gründen.<< (3)

    Diese Art von genital- oder sexortientiertem Journalismus im Zusammenhang ist schon im Fall des Amokläufers Tim K. auffällig, das Wort Mobbing wird gemieden wie die „Pest“. Warum wohl? (4)

    Wir werden sehen, ob es wenigtsens in den USA möglich sein wird, im Fall Nidal Malik die ganze Wahrheit zu erfahren, insbesondere seine Mobbinggeschichte.

    Letzte Änderung am 02.11.2015

    1)http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/nidal_malik_hasan_motive_fort_hood_massaker_1.3979589.html

    http://www.youtube.com/watch?v=8c1dFRpbej8&feature=player_embedded#

    2)http://www.abendblatt.de/vermischtes/article1260689/Militaerpsychiater-erschiesst-zwoelf-Soldaten-Mobbing-als-Motiv.html

    3)http://www.faz.net/s/Rub77CAECAE94D7431F9EACD163751D4CFD/Doc~E5F06AA264243456586111D9A90D097CE~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    4)https://dieaktuelleantimobbingrundschau.wordpress.com/2009/10/23/mobbingprozess-im-fall-tim-k-und-alle-beteiligten/

    Mobbing und das BMAS

    17. Juli 2009

    Im Kampf gegen Mobbing müsste das BMAS, Bundesministerium für Arbeit und Soziales ganz vorne stehen, tut es aber nicht. Gut, nun arbeiten dort, sorry, sind anwesend, Beamte. Man hört weder von Unterstützungen noch von Aufrufen und Gesetzesvorschläge zum Kampf gegen Mobbing aus diesem Hause etwas.

    Das einzige, das man findet ist ein Artikel mit der Überschrift „Mobbing und Belästigung. Mobbing ist keine Erscheinung der jüngsten Zeit. Das Problem „Mobbing am Arbeitsplatz“ nimmt jedoch – bedingt durch Veränderungen im gesellschaftlichen Umfeld, durch den Wandel der Wertvorstellungen und insbesondere durch die anhaltend kritische Arbeitsmarktsituation – einen größeren Stellenwert ein als früher“. Und das heißt, man weiß, dass immer mehr Opfer auf der Strecke bleiben.

    Auf der Strecke bleiben heißt im Beamtendeutsch, „für die Opfer hat Mobbing oft weit reichende Konsequenzen, die sich auf die Gesundheit, die berufliche oder private Situation negativ auswirken können“.

    Doch dann endet schnell die Analyse und man betet wieder die alten Sprüche der Sozialdemokraten herunter. „Ziel muss es daher sein, in dieses heikle Konfliktfeld möglichst frühzeitig und präventiv einzugreifen. Vor allem die Personal- und Organisationsverantwortlichen in den Betrieben sind gefordert, geeignete Präventivmaßnahmen“…zu ergreifen. M;an hat wohl immer nioch nicht verstanden, dass heute genau diese Arbeitnehmerinteressenvertretungen sehr oft der Ausgangspunkt von Mobbing sind. Also müsste jetzt mal längst das Betriebsverfassungsgesetz überarbeitet werden. Doch nichts ist zu sehen, kein Licht am Ende des Tunnels, nur fromme Sprüche.

    Und was heißt das für die hohe Anzahl der Opfer? Allein zu sein im Kampf gegen den Mob, asoziale Täter, unfähige Richter und faule Ermittlungsbehörden. Oder eben in der Erkenntnis des BMAS, das diese wohl als Selbstkritik sich ins Stammbuch geschrieben hat. „Der Staat, der Mobbing in seinen Dienststellen und in der Privatwirtschaft zulässt oder nicht ausreichend sanktioniert, kann sein humanitäres Wertesystem nicht glaubwürdig an seine Bürger vermitteln und gibt damit dieses Wertesystem langfristig dem Verfall preis“. Und bei uns Vefallen die Werte schneller als sie entstehen.