Mobbing, Musikunterricht wird zur Hölle

Einer fehlt!

Dennis hat seine Mobbing-Erlebnisse in der Schule aufgeschrieben, die wir gerne veröffentlichen.

„Meine Geschichte

(Ich schreibe unter dem Pseudonym „Dennis“, um meine Identität zuschützen, obwohl meine Geschichte genügend Details enthält, dass ein Beteiligter mich erkennen würde. Dennoch sind diese Details unverzichtbar, will man den logischen Verlauf meiner Geschichte wiedergeben.)

Wie alles anfing

Bis zur achten Klasse war ich ein normaler Junge. Ich hatte Freunde, war integriert und glücklich. In der 2ten Klasse beschloss ich, mich von nun an vegetarisch zu ernähren (wg. den Tieren).

Nun, eben nur bis zur 8ten Klasse. Mein bester Freund war gerade durchgefallen und die Dinge begannen sich zu ändern. Meinen Klassenkameraden (ich war in einer reinen Jungs-Klasse) begannen anscheinend erst jetzt zu realisieren, dass ich Vegetarier war, jedenfalls kamen erst jetzt ihre Vorurteile zum Vorschein. (Dass ich Vegetarier bin, war von Anfang an klar)

Sie begannen mehr und mehr mich auszugrenzen. Dass begann damit, dass sie einfach keine Gespräche mit mir anfingen, Witze über mich machten und mich nicht mehr einluden. Ich war immer weiter isoliert, mir wurde das aber erst bewusst, als einer der wenigen verbliebenen Freunde während eines Schüleraustausches zu mir meinte: „Guck, diese Leute, dass sind die Gangsters (Anmerk.: gemeint waren die beliebten Schüler) und wir sind die Opfer.“

Damals begriff ich nicht, was er meinte. Ich fühlte mich (noch) nicht als „Opfer“. Obwohl er etwas anderes meinte, nämlich „Opfer“ als Synonym für Aussenseiter, hatte er auch im Sinne meiner (herkömmlichen) Interpretation dieses Wortes Recht. Ich war tatsächlich ein „Opfer“ – ein „Opfer“ der Ausgrenzung meiner Mitschüler.

Zum Glück spielte ich in meiner Freizeit Tischtennis, wodurch ich wenigstens ein paar Freunde behielt, denn in der Schule verschlechterte sich meine Situation zunehmend. Während ich bislang meinen Mitschülern körperlich stets ebenbürtig war, änderte sich das nun schlagartig. Dies lag zum Einem daran, dass ich anscheinend mit meiner Pubertät spät dran war und dass meine Mitschüler bereits im Alter von 15 Jahren das Fitnessstudio und „Selbstverteidigungskurse“ besuchten. Das mit der Selbstverteidigung war natürlich nur Fassade, in Wahrheit ging es darum zu lernen, anderen Menschen effektiv körperlich zu schaden.

Die Wende

Wirklich körperlich attackiert wurde ich ironischerweise erst nach den sog. „Besinnungstagen“, eine Art Schullandheim für die 8ten Klassen zur Gruppenbildung und Mobbingprävention. Hier wurde, so scheint es mir, zum ersten Mal in der Klassengemeinschaft verkündet, wer die Opfer sind, die (Zitat:) „geopfert“ werden müssen. Die Beschäftigung mit dem Thema Mobbing (eig. völlig sinnlos, weil in unserer Klasse bislang kein körperliches Mobbing praktiziert wurde) regte wohl die niederen Instinkte meiner Mitschüler an oder sie fühlten sich angegriffen, weil die Betreuer mich zu integrieren versuchten, ich weiss es nicht, wie ich bis heute auch nur über den Grund des Mobbings spekulieren kann. Fest steht allerdings, dass es ab da an erst richtig losging.

Mobbing: Musikunterricht wird zur Hölle

Im Fach Musik hatten wir einen Lehrer, der selbst gemobbt wurde, auch ein Vegetarier. Er konnte sich nicht durchsetzen, weil er nie Strafen verhängte. Sein Unterricht bestand aus Herunterrattern des Stoffes und Hoffen, nicht Zielscheibe der Angriffe der Klasse zu werden. Ihm war egal, was wir machten. Manche tranken vor seinen Augen im Unterricht Vodka, viele redeten und einige schlugen sich. Ich saß in der ersten Reihe direkt vor meinem Peiniger. Der Musiksaal hatte keine Tische, sodass mein Hintermann (Mitglied eines Fitnessstudios), nennen wir in Michel, mir ständig (!!!) (ein Jahr lang) den Stuhl wegziehen konnte auf dem ich saß, sodass ich mich nicht hinsetzen konnte. Dann beschwerte sich Michel beim Lehrer dass ich stand, was dem Lehrer aber fairer Weise ebenfalls egal war. Des weiteren schlug mich Michel in den Pausen (nicht regelmäßig, ich kann mich nur an drei Male erinnern). Einmal stieß er mich eine Stufe herab, als ich mir gerade die Schuhe band, ein andermal schubste er mich von hinten so stark zu Boden, dass ich Schürfwunden davon trug.

Zwei weitere Mobber waren Pascal und Darius (Namen geändert). Pascal war ein DJ (mit 15 und hatte bei Parties ab 16 aufgelegt). Pascal hatte mich einmal in der Toilette eingesperrt und Darius gab mir in Chemie und in den Pausen sog. „Nackenklatscher“, wobei er immer betonte er wolle mir helfen und mir zeigen, dass ich mich wehren soll. Warum er mir dafür Nackenklatscher geben musste ist mir schleierhaft. Doch in der Tat fing ich an mich zu wehren. Ich war nun auch in der Lage dazu. Ich besuchte ein Fitnessstudio und mein Körper entwickelte sich zu einem erwachsenen Körper. Das körperliche Mobbing hörte mit dem Ende der 10ten auf, die Beleidigung (direkt) erstaunlicherweise auch. Doch was blieb war ein tief verwurzelter Hass mir gegenüber und die subtile Ausgrenzung.

Das ist schwer für mich zu begreifen, denn ich hatte ihnen nie etwas getan, dennoch hassen sie mich – bis heute. Vielleicht liegt es daran das ich ein Symbol bin für ihre Unmenschlichkeit oder vielleicht glauben sie tatsächlich die ganzen Geschichten, die einige über mich erzählt haben. Wer weiß – für mich endet meine Mobbingkarriere jedenfalls mit vielen Fragezeichen. Ich beendete das Gymnasium nach der 12ten mit Abitur (erster G8 Jahrgang) und bin zuversichtlich, dass ich an der Uni wesentlich herzlicher aufgenommen werde. An meiner Arbeitsstelle und beim Fitnessstudio hat es ja schon geklappt“. (Dennis)

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