Der tragische Selbstmord von Herrn Mag. Hametner, Mobbing-Opfer

Suizid- und Mobbing-Opfer Mag. Hametner Gastbeitrag:

Der tragische Selbstmord von Herrn Mag. Hametner zeigt wieder einmal auf, daß dem Phänomen „Mobbing“ in unserer Gesellschaft viel zu wenig Beachtung bzw. Bedeutung zugemessen wird. Dies liegt daran, daß Begriffe wie Mobbing/ mobben  falsch verwendet werden und oft für einfache/ einmalige Schikanen eingesetzt wird. Fast jeder fühlte sich oder wurde schon einmal im Leben „gemobbt“, von der Sandkiste beginnend bis zum (meist) natürlichen Tod. Kein Wunder, daß bei einer derartigen Begriffsverwässerung im täglichen Umgang kein Unterschied zum Begriff echtes „Mobbing“ erkannt wird, wie er der wissenschaftlichen Definition von Dr. Leymann entspricht.
Herr Mag. Hameter hat in seiner Todesstunde hundert E-Mails verschickt, wobei die Adressaten hauptsächlich die  Personen waren, welches das Mobbing aktiv zu verantworten haben, bzw. jene, die durch Passivität (Schweigen, Ausweichen, Verdrängen) die verwerflichen Vorgänge ermöglichten und damit – bewußt oder unbewußt- förderten, sowie an einige vielleicht wirklich Unbeteiligte (darunter die Kinder des Verstorbenen).
In diesen Botschaften hält der gewissenhafte und mit hohen Kompetenzen ausgestattete Familienmensch Mag. Hameter fest, daß er jahrelang unter dem psychischen Druck schwerstens gelitten hat,  bis er es nicht nicht aushielt und in seinem Tod den einzigen Weg der „Flucht“ bzw. die „Erlösung“ sah. Als Jurist konnte er einschätzen, daß dem von ihm in erster Linie belasteten Bürgermeister nichts „passieren“ kann, außer ein freiwilliger Rücktritt oder eine allfällige Abwahl zu einem späteren Termin. Eine gerichtliche Verfolgung dürfte unter keinem guten Stern stehen: Die betroffene Partei ist tot, die Zeugen haben vorher schon geschwiegen, nicht zu übersehen (partei-) politische Interessen auch im Sinne der „angeklagten“ Personen; und überdies ist  „Mobbing“ kein strafrechtliches Delikt. Aus ähnlichen und auch ganz anderen Erwägungen  dürfte der Weg des Disziplinarverfahrens ziemlich aussichtslos sein. Auffallend das reflexartige Abweisen von Schuld, indem psychische Probleme des Mobbingopfers in den Vordergrund gestellt werden. Diese psychischen Probleme hat es sichtlich gegeben, nämlich als Reaktion und Folge von jahrelangem Psychoterror auf dem Arbeitsplatz. Meist greifen  die Folgen von Mobbing in den privaten Bereich hinüber. Das Opfer wird so geschwächt, der Blick wird auf die Schwierigkeiten eingeengt, früher vorhandene Interessen werden zurückgestellt, alles dreht sich um das Leid im beruflichen Alltag. Die Familie, der Freundeskreis wendet sich nicht selten ab, weil man es einfach nicht mehr hören kann und weil wechselseitig das Vertrauen schwindet!

Suizid- und Cybermobbing-Opfer Joel, 13 Jahre

Umsomehr ist Mag. Hameters Abschiedsbrief als ein Appell an die Medien und an die breite Öffentlichkeit zu verstehen, „Mobbing“ nicht zu bagatellisieren. Es ist ein Appell an die Zivilcourage jedes einzelnen (ob am oder außerhalb des Arbeitsplatzes), durch Nicht-Schweigen, Nicht-tatenloses-Zusehen Prozesse wie Mobbing zu stoppen. Psychoterror am Arbeitsplatz ist kein Kavaliersdelekt!
Mit seinem Selbstmord wollte Herr Mag. Hameter ein massives Zeichen setzen, wie es vielfach zuvor (auch) aus anderen Gründen erfolgte: Etwa die Selbstverbrennung des Studenten Jan Palach, 1969, aus Verzweiflung über die politische Situation oder der tragische Suizid von Franz Kröll, Chef der SOKO, 2010, im Zusammenhang mit polizeilichen Ermittlungen (lt. glaubwürdigen Medienberichten).
Der Suizid von Herrn Mag. Hameter ist meinem Eindruck nach kein „Kurzschluß-Akt“. Er war sich bewußt, das Selbstmord keine „wirkliche“ Lösung ist, da er – irdisch betrachtet – vom Ergebnis nicht mehr profitieren  kann. Der Brief ist eine Erklärung an seine Familie, eine letzte Bitte um Verständnis für sein Tun. Mit seinem Appell an die Kollegen/ Bürgermeister und in die Folge an die Öffentlichkeit wollte er seinem Tod so etwas wie S i n n  verleihen. Es ist ein Aufschrei, die Augen und Ohren nicht zu verschließen, wenn kriminelle Handlungen herabgespielt werden, als ob diese der täglichen Normalität entsprächen.
Ich hoffe, daß der tapfere Herr Mag. Hameter dieses Ziel (wenigstens teilweise) erreicht! Ich persönlich werde alles tun, mitzuwirken, daß Herr Hametner nicht umsonst gestorben ist, etwa im Bereich der Aufklärung, was „Mobbing“ wirklich ist und wohin es führt, wozu mein eigenes gelebtes Beispiel beste Grundlagen bietet.

(Von Prof. Mag.Irmgard Mair)

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2 Antworten to “Der tragische Selbstmord von Herrn Mag. Hametner, Mobbing-Opfer”

  1. Ilia Faye Says:

    Es ist immer wieder dasselbe!

    Alle sehen weg. Dann schiebt man dem Opfer noch die Schuld zu. Schließlich wollen alle nur noch ihre Ruhe haben. Das Opfer steht allein…

    Die Therapie, die dem Opfer helfen würde heißt „Gerechtigkeit“ – und die bekommt es nicht, weil die, die helfen könnten, die ganze Affäre bagatellisieren. Oberste Direktive: Problem aussitzen!
    So wie das Bundesministerium der Justiz „auch weiterhin kein Bedürfnis für die Schaffung eines zusätzlichen eigenständigen Straftatbestandes gegen Mobbing“ sieht und sich gerade mal herablässt, „die weitere Entwicklung auch unter dem Gesichtspunkt gesetzgeberischen Handlungsbedarfs sorgfältig [zu] beobachten“.
    http://www.ilia-faye.de/pdf/BMJ101005.pdf

    Wann endlich wird sich hier etwas ändern?

  2. Eva Pichler SHG Mobbing Graz Says:

    In innigem Gedenken an Mag. iur. Robert Hametner – SHG Mobbing Graz u. Eva Pichler
    http://www.krone.at/Oesterreich/Stadtamtsdirektor_nahm_sich_wegen_Mobbing_das_Leben-Schock_in_Gmunden-Story-248003

    UNFASSBAR, dass der Bürgermeister nicht zurückgetreten ist – das zeigt wohl einiges von seinem Charakter? UNFASSBAR, dass er nicht zum Zurücktreten angeheißen wurde! Was sagt das über den Charakter der Zuständigen?

    http://www.gmunden.ooe.gv.at/system/web/person.aspx?typ=bgm&menuonr=218379101

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