Mobbing im Insolvenzverfahren?

Oder der Fall Cornelia Fröhner. Normalerweise sollen in einem Insolvenzverfahren die „gleichmäßige  Befriedigung aller Gläubiger stattfinden, doch Arbeitnehmer sind keine Gläubiger, sondern Opfer im Insolvenzverfahren, was an „staatlich gefördertes Mobbing“ grenzt und die Zuordnung der Beute durch unseren Rechtsstaat bedeutet. Nicht die Würde des Menschen ist unantastbar, sondern die Gier der „Gläubiger“ nach Opfern und Beute.

Konkret hat im Spiegel vom 11.05.09, Nr. 20  der Journalist Juan Moreno unter dem Titel „Im Namen des Gesetzes“ den aktuellen Fall der „Groß- und Außenhandelskauffrau“ Cornelia Fröhner aus Annaberg-Bucholz beschrieben.

Laut Insolvenzverwalter soll die 35-jährige Frau nach einem 3 ½ jährigen Insolvenzverfahren nun drei Monatslöhne nachbezahlen, von den Zinsen ist noch keine Rede. Das ist möglich, weil in unserem Insolvenzverfahren nach § 130 Zahlungen , „die in den letzten drei Monaten erfolgten, anfechtbar sind, wenn der Gläubiger“ – und im Falle der Lohnzahlung ist Arbeitnehmer plötzlich Gläubiger – „die Zahlungsunfähigkeit kannte  (oder) davon hätte wissen müssen.“

Die Kleinen presst man aus. ;-)

So ist das im Land der Beamten bei den insolventen Landesbanken, Finanzkrisenexperten der KfW und anderer Abzocker und -sahner der Bad Bank Society. Die Großen lässt man laufen, die Kleinen plündert man wenigstens aus, wenn man sich schon nicht mehr hängt. Oder willst du schikanieren und  mobben, so suche dir immer das schwächste Opfer raus. Und im Insolvenzverfahren sind das die Arbeitnehmer, quasi die Letzten, die die Hunde beißen dürfen.

Nicht nur, dass keine Bad Bank oder staatliche Rettungsgesellschaft die insolvente Firma von Cornelia Fröhner aufgefangen hat, nein, sie hat nicht nur ihren Job verloren, sondern sie muss jetzt für sage und schreibe 1000 Euro netto sich bei einer Telekommunikationsfirma verdingen und hat neben den Schulden für ihr Haus noch 4559,75 Euro Altschulden aus ihrem Job bei der Altfirma, das sind die 3 letzten Monatslöhne die jedem Arbeitnehmer bei einer Insolvenz seiner Firma wieder genommen werden können.

Warten auf die Post, bis man schwarz wird. :-)

Und so was nennen wir „soziale Marktwirtschaft“, das brachte auch die Großhandelskauffrau ins Grübeln und sie reichte deshalb eine Petition ein und hat einen CDU-Abgeordneten  um Unterstützung gebeten. Und nun wartet sie auf Post, auf gute Post.

Wir können aus unserer Erfahrung mit dem Ausschuss des Bundestages Frau Fröhner den Rat geben, sie wird sehr, sehr lange warten müssen. So etwa 1 bis 2 Jahre und dann wird sie eine Antwort erhalten, die nicht den Inhalt ihrer Petition wieder gibt, sondern eine Wischiwaschidarstellung einer oder eines Praktikanten, der normalerweise Kaffe und Kuchen in einem Ministerium holt. Sie kann sich dann beschweren und dann geht das Ganze vorn vorne los, eine Antwort wird sie so nie erhalten, das nennt man bei uns „petitionieren* bis zum Exodus“, eine deutsche  Erfindung oder die Ossifizierung der Demokratie 2009.

* Wortschöpfung der Komasäufergeneration. Hat mir mal eine Praktikantengruppe aus dem Ausschussdienst auf dem nächtlichen Säufertrail zum Magnetclub im Prenzlauer Berg erklärt. Wahrscheinlich muss man Alkoholiker sein um an den Sinn und Zweck des Petitionsausschuss zu glauben, aber nur in Deutschland, in Europa funktioniert das sonst wunderbar.

Letzte Änderung 14.07.2015

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